Der Artikel „Der ökonomische Babel: Die Krise beginnt im Moment des Erfolgs“ argumentiert, dass Wirtschaftskrisen nicht dort beginnen, wo der Zusammenbruch sichtbar wird, sondern viel früher, genau in dem Moment, in dem der Erfolg nicht mehr auf gesunde Weise reguliert wird und sich in eine allmächtige Gewissheit verwandelt. Der Text zeigt, dass Märkte nicht nur durch verzerrte Anreize, unzureichende Informationen oder übermäßiges Risiko destabilisiert werden, sondern auch durch eine Transformation in der psychischen und kollektiven Relation zur Realität selbst. Eine Seite des Ich erkennt Gefahr, während eine andere, unbewusste Seite auf die Gewissheit drängt, dass Grenzen überwunden wurden und Verlust vermieden werden kann. Aus dieser Verschiebung entsteht Allmacht. Der Artikel argumentiert weiter, dass, sobald eine mächtige Erfahrung totaler Kontrolle etabliert ist, selbst das kleinste Ereignis, das dieser Gewissheit widerspricht, als erschreckende Frustration und als Bruch der Kohäsion erlebt wird. An diesem Punkt beginnt die Psyche, in borderline- und primären Begriffen zu funktionieren: Sie schaltet unmittelbar vom absolut Guten auf das absolut Schlechte, von Perfektion auf Katastrophe um. Diese Logik bleibt nicht individuell. Durch projektive Identifikation werden psychische Zustände unbewusst über das kollektive Feld übertragen, sodass große Bevölkerungssegmente, Institutionen und Märkte anfangen, ebenso absolut zu reagieren. In dieser Phase entsteht das Babel-Phänomen: Ein Übermaß an Informationen, intensivierte Kommunikation und proliferierende Analysen koexistieren mit dem Zusammenbruch gemeinsamen Verständnisses. Krise ist demnach nicht nur ein wirtschaftliches Ereignis; sie ist auch eine kollektive psychische Dysregulation, die bereits begonnen hat, bevor sie sichtbar wird. Ihre Prävention erfordert nicht nur technische Marktbeobachtung, sondern auch ein tieferes Verständnis der unbewussten Dimensionen, die Sicherheit, Kontrolle und die Verleugnung von Grenzen suchen.
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Dimitris Seferiadis
Psychoanalytical Association
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Dimitris Seferiadis (Do.) untersuchte diese Fragestellung.
www.synapsesocial.com/papers/69c8c3cede0f0f753b39ed43 — DOI: https://doi.org/10.5281/zenodo.19255561