Zusammenfassung: In seinem lobenden Gedicht aus dem First Folio erklärte Ben Jonson, Shakespeare „war nicht seiner Zeit, sondern für alle Zeiten.“ Dies hat sich als wahr erwiesen, und Shakespeare konnte viele nachfolgende Generationen von Lesern und Theaterbesuchern ansprechen. Dies liegt jedoch nicht daran, dass wesentliche, unveränderliche und universelle Wahrheiten über die menschliche Natur, die Welt und Erfahrung in seinen Stücken oder Figuren verborgen wären, sondern (ganz im Gegenteil) weil nachfolgende Generationen im Laufe der Jahrhunderte Shakespeare sich aneignen, ausnutzen und wiederverwenden konnten, um ihre Welt und ihr Leben zu verstehen. Shakespeare ist für alle Zeiten gerade deshalb relevant, weil er sich im Laufe der Zeit unermüdlich verändert hat. Der Autor und seine Texte wurden unaufhörlich neu erfunden, und eine nahezu unendliche Anzahl von „alternativen Shakespeares“ verkörperte spezifische zeitgenössische Themen und Konflikte. Wie Jean Marsden 1991 ausdrückte, ist Shakespeare Gegenstand eines „andauernden Prozesses literarischer und kultureller Aneignung, bei dem jede neue Generation versucht, Shakespeares Genie in zeitgenössischen Begriffen neu zu definieren und ihre Wünsche und Ängste auf sein Werk zu projizieren.“ Dies gilt sowohl für den „dramatischen“ als auch den „theatralischen“ Shakespeare: Shakespeares Stücke wurden ebenso unermüdlich auf der Seite von Gelehrten (und anderen) neu interpretiert, wie sie von Schauspielern und Regisseuren auf der Bühne neu erfunden wurden. Das Schicksal von König Richard III ist jedoch aus dieser Perspektive eigenartig, da eine oft schlechtgemachte Restaurationsfassung von Shakespeares Stück die „Originalfassung“ im Theater vollständig ersetzte und fast 200 Jahre lang die Bühne dominierte. Diese Eigenart erhält interessante Nuancen, wenn man die Behandlung des inszenierten Stücks durch die Romantiker betrachtet, die trotz der damals vorherrschenden Bardolatrie und ihrer oft geäußerten Geringschätzung der adaptierten Version offenbar ihre Chance verpassten, Shakespeares ursprüngliches Stück für ihre eigene Zeit sprechen zu lassen.
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Nicoletta Caputo
Theatre Survey
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Nicoletta Caputo (Di,) hat diese Fragestellung untersucht.
www.synapsesocial.com/papers/69d895d86c1944d70ce06f1d — DOI: https://doi.org/10.1353/tsu.2011.a986442
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