Hintergrund: Aus der Perspektive der Opferunterstützung ist die Erforschung der öffentlichen Wahrnehmung sexueller Gewalt von entscheidender Bedeutung, da diese Wahrnehmungen gerichtliche Entscheidungen und Medienberichte beeinflussen können. Allerdings haben nur wenige Studien das öffentliche Bewusstsein für geschlechterbezogene Verzerrungen in Täter-Opfer-Beziehungen untersucht. Ziel: Wir führten eine Umfrage durch, um zu untersuchen, ob die Allgemeinbevölkerung in Japan sexuelle Gewalt unterschiedlich wahrnimmt, abhängig vom Geschlecht der Täter und Opfer. Methoden: Wir befragten 137 Mitglieder der japanischen Allgemeinbevölkerung ab 18 Jahren (48 Männer, 89 Frauen, Alter 19-73 Jahre). Die Teilnehmenden füllten eine Querschnitts-Online-Umfrage aus, in der vier kurze Fallvignetten mit vier verschiedenen Geschlechterkonstellationen zwischen Täter und Opfer sexueller Gewalt beschrieben wurden. Die Teilnehmenden wurden gebeten, den psychologischen Einfluss auf das Opfer in jeder Vignette einzuschätzen und anzugeben, ob das Opfer als psychisch traumatisiert betrachtet werden würde und ob es möglich gewesen wäre, der Viktimisierung zu entkommen. Ergebnisse: Die Antworten der Teilnehmenden zeigten, dass sie die Situation „Mann Täter-Frau Opfer“ als die mit dem größten psychologischen Einfluss betrachteten. Bei weiblichen Tätern beschrieben die Teilnehmenden geringere psychologische Auswirkungen. Schlussfolgerungen: Diese Ergebnisse zeigen, dass die Allgemeinbevölkerung sexuelle Gewalt je nach Geschlecht von Täter und Opfer unterschiedlich wahrnimmt, insbesondere wenn der Täter eine Frau ist.
Odawara et al. (Mon,) untersuchten diese Fragestellung.