Ich untersuche, wie der Zeitpunkt des Auftretens einer Krebserkrankung die Arbeitsmarktergebnisse von Individuen beeinflusst. Der Diagnosezeitpunkt ist von zentraler Bedeutung, da Diagnosen in früheren Erwerbsphasen langfristige Einkommens- und Beschäftigungsverluste nach sich ziehen können, während Erkrankungen in späteren Lebensphasen häufig mit dem Übergang in den Ruhestand zusammenfallen. Über dieses Zusammenspiel ist bislang jedoch nur wenig bekannt. In dieser Arbeit analysiere ich, wie sich die Auswirkungen einer Krebserkrankung auf Erwerbsverläufe in Abhängigkeit vom Erkrankungsalter unterscheiden. Auf Grundlage österreichischer Registerdaten zur Gesamtbevölkerung im Zeitraum 2010–2020 verfolge ich Einkommen, Beschäftigung und beruflichen Status vor und nach der Diagnose anhand tagesgenauer Informationen. Der Datensatz umfasst die gesamte österreichische Bevölkerung. Im Fokus stehen Personen, bei denen zwischen 2012 und 2020 erstmals Krebs diagnostiziert wurde. Zur Konstruktion einer geeigneten Kontrollgruppe verwende ich Coarsened Exact Matching; die Effekte werden anschließend im Rahmen eines Difference-in-Differences-Ansatzes mit zweiseitigen Fixed Effects geschätzt. Die Arbeitsmarktverläufe unterscheiden sich deutlich in Abhängigkeit vom Alter zum Diagnosezeitpunkt. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Krebserkrankung sowohl das Einkommen als auch die Anzahl der Tage in Vollzeitbeschäftigung reduziert und zugleich die Zeit in Frühpension erhöht. Dies gilt für die gesamte diagnostizierte Population. Eine Aufschlüsselung nach Altersgruppen zeigt ein U-förmiges Muster: Jüngere Personen (unter 40 Jahren) erreichen im Zeitverlauf wieder ihr Vordiagnoseniveau, während ältere Personen (über 60 Jahre) aufgrund eines frühzeitigen Ausscheidens aus dem Arbeitsmarkt durch Frühpensionierung keine gravierenden Erwerbseinbußen erleiden. Die Gruppe der Personen mittleren Alters erweist sich hingegen als besonders vulnerabel – sowohl im Hinblick auf die Stärke der kurzfristigen Effekte als auch auf deren Persistenz. Die Effekte variieren zudem erheblich nach Krebsart und Krankheitsstadium. Es zeigen sich klare sozioökonomische Gradienten, wobei benachteiligte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer größere und anhaltendere Verluste erleiden. Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse die Bedeutung des Zeitpunkts, zu dem eine schwere Erkrankung auftritt.
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Jana Ströbinger
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Jana Ströbinger (Thu,) studied this question.
www.synapsesocial.com/papers/69df2cb9e4eeef8a2a6b1ea2 — DOI: https://doi.org/10.25365/thesis.80921