Hintergrund: Long COVID betrifft einen erheblichen Teil der Bevölkerung nach einer Infektion mit SARSCoV-2 und äußert sich durch anhaltende Beschwerden wie Fatigue, kognitive Störungen oder autonome Dysfunktionen. Verlässliche diagnostische Marker fehlen bislang, weshalb die Suche nach geeigneten Biomarkern von großer Bedeutung ist. Unkonjugiertes Bilirubin (UCB), das für seine antioxidativen und stoffwechselregulierenden Eigenschaften bekannt ist, wird als möglicher Kandidat diskutiert. Bisher liegen jedoch nur wenige Untersuchungen in Post-COVID-Kohorten vor. Methoden: In dieser Arbeit wurde UCB in einer südafrikanischen Long-COVID-Kohorte untersucht. Blutproben wurden sowohl zu Studienbeginn (n = 132) als auch nach zwölf Monaten im Rahmen eines Follow-ups (n = 103) analysiert. Die Bestimmung erfolgte mittels RP-HPLC, die eine präzise Quantifizierung der Bilirubin-Isomere ermöglicht. Zusätzlich wurden klinische und lebensstilbezogene Faktoren berücksichtigt. Als Kontrollgruppe diente eine Rooibos-Kohorte gesunder Männer aus derselben Region (n = 40), deren Basiswerte in die Analyse einbezogen wurden. Ergebnisse: Die UCB-Konzentrationen bleiben über den Beobachtungszeitraum hinweg stabil und bewegten sich im physiologischen Bereich. Personen mit höheren Ausgangswerten wiesen auch nach zwölf Monaten erhöhte Werte auf. Alter war der stärkste Einflussfaktor: ältere Teilnehmer*innen hatten höhere UCB-Spiegel. Geschlechtsunterschiede waren gering ausgeprägt, und ein Zusammenhang mit dem BMI konnte nicht festgestellt werden. Raucher und Personen mit Diabetes zeigten zum Ausgangszeitpunkt niedrigere Werte, diese Unterschiede bestätigten sich jedoch im Follow-up nicht. Alkoholkonsum stand in keinem Zusammenhang mit UCB. Geimpfte Teilnehmende wiesen tendenziell höhere Werte auf, wobei die Gruppe der Ungeimpften sehr klein war und daher keine belastbaren Schlussfolgerungen zulässt. Klinische Merkmale von Long COVID, darunter Hospitalisierung, Schweregrad der Erstinfektion, Intensivbehandlung, Sauerstoffgabe und das Fortbestehen von Symptomen, zeigten keinen Zusammenhang mit UCB. Der Vergleich mit der Rooibos-Kohorte ergab sehr ähnliche Mittel- und Medianwerte. Die Long COVID Gruppe wies zwar eine größere Streuung auf, systematische Unterschiede zwischen den Gruppen bestanden jedoch nicht. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass UCB ein stabiler Marker ist, der vor allem durch Alter und individuelle Ausgangsfaktoren geprägt wird, jedoch nicht direkt den Verlauf von Long COVID widerspiegelt. Zur Abgrenzung von Long COVID Patienten gegenüber gesunden Kontrollen scheint Bilirubin allein nicht geeignet. Es könnte jedoch im Rahmen eines umfassenderen Biomarker-Panels, das Marker des oxidativen Stresses und der Stoffwechselregulation einschließt, eine Rolle spielen. Um den Stellenwert von UCB in postinfektiösen Syndromen abschließend beurteilen zu können, sind größere und diversere Kohorten sowie die Kombination mit weiteren biologischen Parametern notwendig.
Katrina Stachowitz (Wed,) studied this question.