In den letzten Jahren ist das Interesse an der Vorstellung, dass Pflanzen über kognitive Fähigkeiten verfügen, stark gestiegen. Immer mehr Wissenschaftler und Philosophen vertreten die Ansicht, dass Pflanzen wahrnehmen, sich erinnern, lernen und sogar Entscheidungen treffen können – Behauptungen, die traditionelle Annahmen über die biologischen Grundlagen der Kognition in Frage stellen und kognitive Kategorien über das Tierreich hinaus erweitern. Diese Arbeit überprüft solche Behauptungen kritisch und argumentiert, dass Pflanzen zwar komplexe Formen der Umweltwahrnehmung, des Anpassungsverhaltens und der physiologischen Integration aufweisen, aber keine Kognition im eigentlichen Sinne besitzen. Es wird behauptet, dass Pflanzen über eine grundlegende Art von Handlungsfähigkeit verfügen, die allen lebenden Systemen gemeinsam ist, sowie über eine Form von Intelligenz, die in der metabolischen und entwicklungsbezogenen Plastizität verwurzelt ist. Ihnen fehlen jedoch die neurophysiologischen, repräsentativen und integrativen Strukturen, die der Kognition bei Tieren zugrunde liegen. Die These argumentiert weiter, dass Pflanzen nicht im eigentlichen Sinne des Wortes kommunizieren, sondern vielmehr durch chemische Signale eine ökologische Kopplung eingehen. Ihre elektrophysiologische Aktivität wird zwar oft mit neuronalen Signalen verglichen, erfüllt jedoch nicht die rechnerischen oder organisatorischen Funktionen eines Nervensystems. Ebenso stellt ihre Reaktionsfähigkeit auf Reize keine Sinneswahrnehmung dar, sondern eher eine subkognitive Form der Umweltempfindlichkeit. Abschließend wird die Frage der Empfindungsfähigkeit von Pflanzen untersucht und argumentiert, dass zwar der noch junge Stand der Bewusstseinsforschung einen endgültigen Ausschluss dieser Möglichkeit verhindert, es jedoch derzeit weder empirische Belege noch theoretische Gründe gibt, Pflanzen Empfindungsfähigkeit zuzuschreiben. Anstatt sich auf festgelegte Definitionen zu stützen, verfolgt die Arbeit einen informationstheoretischen und pluralistischen philosophischen Ansatz, bei dem Pflanzenphänomene mit Paradigmenfällen aus der Tierkognition verglichen werden, um die biologischen und funktionellen Bedingungen zu identifizieren, unter denen kognitive Fähigkeiten entstehen. Zwar wird anerkannt, dass zukünftige Forschungen noch unbekannte Mechanismen in der Pflanzenbiologie aufdecken könnten, doch deuten die derzeitigen Erkenntnisse auf eine tiefgreifende Diskontinuität zwischen den Fähigkeiten von Pflanzen und denen kognitiver Organismen hin. Die Schlussfolgerung lautet, dass die Zuschreibung von Kognition an Pflanzen die Gefahr birgt, wichtige biologische Unterschiede zu verschleiern und die konzeptionelle Integrität der Kognitionswissenschaft zu untergraben.
Maximilian Robert Florka (Wed,) studied this question.