Diese Masterarbeit untersucht die Entwicklung politischer Unterstützung in den postkommunistischen Ländern Osteuropas seit 1991 und konzentriert sich dabei auf die Faktoren, die das Vertrauen der Bürger in die Demokratie, politische Institutionen und die Leistungsfähigkeit der Regierung beeinflussen. Auf Grundlage von Daten der World Values Survey (WVS) und der European Values Study (EVS) über fünf Erhebungswellen in zehn osteuropäischen Ländern wird ein Ordinary-Least-Squares-(OLS-)Regressionsansatz mit Länderfixeffekten angewendet, um drei theoretische Perspektiven zu prüfen: Modernisierungstheorie, Sozialisationstheorie und kulturelle Ansätze. Die Ergebnisse stützen die Modernisierungstheorie nur teilweise, da kein konsistenter Effekt wirtschaftlichen Wachstums auf die Zustimmung zur Demokratie festgestellt werden konnte. Es zeigt sich jedoch, dass Bildung die Zustimmung zur Demokratie erhöht, gleichzeitig aber das Vertrauen in politische Institutionen verringert. Zudem wurde ein sich umkehrender Kohorteneffekt nachgewiesen: Während in den frühen Erhebungswellen ältere Kohorten eine höhere Zustimmung zur Demokratie äußerten, sind es in späteren Wellen eher die jüngeren Kohorten, die mehr Unterstützung bekunden. Schließlich zeigt sich ein zunehmender Einfluss interpersonalen Vertrauens auf politische Unterstützung, was auf einen Wandel der politischen Kultur in Osteuropa hindeutet. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass sich die politische Unterstützung in Osteuropa von einer anfänglichen Euphorie nach dem Systemwechsel über Phasen der Ernüchterung hin zu einer stabileren, aber differenzierteren Form demokratischer Bindung entwickelt hat. Die Analyse verdeutlicht, dass Modernisierung, Sozialisation und kulturelle Prägungen gemeinsam politische Unterstützung in jungen Demokratien formen und dass die Konsolidierung von Demokratie nicht nur wirtschaftlichen Fortschritt erfordert, sondern auch die schrittweise Verinnerlichung demokratischer Normen und interpersonalen Vertrauens. Zudem gibt es Evidenz dafür, dass in den vergangenen 30 Jahren ein Kohortenwandel stattgefunden hat: Während in den frühen Phasen des demokratischen Übergangs insbesondere ältere Kohorten besonders euphorisch gegenüber der Demokratie waren, zeigen in den späteren Phasen jüngere Kohorten höhere Zustimmungswerte zur Demokratie.
Felix Guggenheim (Wed,) studied this question.