Zusammenfassung Dieser Beitrag untersucht gemeinsames Töten als kommunikatives Handeln. Im Zentrum stehen Situationen, in denen mehrere Akteure in körperlicher Ko-Präsenz absichtsvoll Leben beenden. Aufbauend auf dem Kommunikativen Konstruktivismus werden Tötungen als kommunikative Formen begriffen, die durch Interaktionen zusammengehalten werden und spezifische Probleme der Koordination adressieren. Anhand der Videoanalyse zweier Fallbeispiele – eines assistierten Suizids in der Schweiz und einer Massenexekution im syrischen Bürgerkrieg – werden drei Dimensionen kommunikativen Handelns herausgearbeitet: Legitimation, Handlungsorientierung und Ästhetik. Der Vergleich zeigt, dass diese Dimensionen je unterschiedlich ausgeprägt sind: Während sich Legitimation im Suizidfall auf Autonomie und rechtliche Verfahren stützt, beruht sie im Bürgerkrieg auf Gewaltwissen und Feindmarkierung; während die Handlungsorientierung im medizinischen Kontext kooperativ erfolgt, ist sie im Bürgerkriegsfall in weiten Teilen hierarchisch organisiert; und während die Ästhetik in der Umsetzung des assistierten Suizids eine Inszenierung von Würde und Ruhe umfasst, dient sie in der Exekution der Täterinszenierung und Machtdemonstration. Der Beitrag verdeutlicht damit, dass Töten nicht als punktuelles Ereignis, sondern als kommunikativ strukturierter Prozess zu verstehen ist, in dem Wissen über Tod und Gewalt in spezifischer Weise wirksam wird.
Ekkehard Coenen (Mon,) studied this question.