Diese Masterarbeit schlägt eine neuartige Längsschnitttypologie der europäischen Elternzeitpolitik für den Zeitraum von 1970 bis 2024 vor. Während bestehende Typologien statische Momentaufnahmen der politischen Konfigurationen liefern, konstruiert diese Studie einen dynamischen Rahmen, der sowohl die Querschnittsvielfalt als auch die zeitliche Entwicklung in drei Dimensionen der Ausgestaltung von Elternzeitpolitik erfasst: Dauer, Vergütung und Gleichstellung der Geschlechter. Durch eine deskriptive Analyse von elternzeitpolitischen Instrumenten, werden drei unterschiedliche historische Epochen identifiziert, die durch starke Unterschiede in der elternzeitpolitischen Landschaft gekennzeichnet sind: Die Ära des Mutterschaftsurlaubes (1970–1989) konzentriert sich auf den Schutz der Mütter. Die Ära des Übergangs (1990–2014) ist durch eine Diversifizierung und Ausweitung aller Instrumente gekennzeichnet. Die Ära der Gleichstellung (2015–2024) zeigt einen starken Anstieg geschlechtergleichstellender Maßnahmen. Innerhalb jeder Epoche wird k-means Clustering angewendet, um Ländercluster anhand ihrer politischen Konfigurationen zu ermitteln. Die Analyse zeigt stabile Clusterprofile, die trotz sich ändernder absoluter Indikatorwerte in ihrer wesentlichen Bedeutung gleichbleiben. In der ersten Epoche zeigen sich drei Cluster, die sich in der zweiten und dritten Epoche auf vier erweitern: Der egalitäre Cluster zeichnet sich durch hohe Einkommensersatzquoten und umfangreiche Vaterkarenz aus, der konservative Cluster bietet übermäßig lange bezahlte Elternzeit, der Cluster der Grundunterstützung konzentriert sich auf Mutterschutz mit minimaler sonstiger Unterstützung, und der Cluster der geteilten Elternzeit priorisiert symmetrische Ansprüche, indem er 50% der bezahlten Elternzeit für jeden Elternteil vorsieht. Diese Forschung leistet drei wesentliche Beiträge zum Forschungsgebiet der Elternzeitregelungen. Erstens führt sie eine echte Längsschnitttypologie ein, die sowohl einen Querschnittsvergleich der Cluster innerhalb der Epochen als auch eine zeitliche Analyse der Clusterentwicklung und der Länderverläufe über die Epochen hinweg ermöglicht. Zweitens beschreibt sie drei unterschiedliche Epochen des Elternurlaubs und hebt dabei die wesentlichen Unterschiede in der politischen Landschaft im Laufe der Zeit hervor. Drittens zeigt sie den Nutzen der datengestützten k-Means-Clustering-Methodik auf, die in der Forschung zu Elternzeitregelungen noch zu wenig genutzt wird.
Constantin Gregor Kumaus (Thu,) studied this question.