Abstract Der wissenschaftliche Diskurs rund um Barrierefreiheit und Inklusion fokussiert gemeinhin auf inhärente Merkmale des Kommunikationsangebots sowie auf die Kontexte seines Einsatzes. Größen wie Verständlichkeit und Angemessenheit spielen hierbei eine große Rolle. Im Beitrag wird die barrierefreie Kommunikation aus der Rezipientenperspektive betrachtet und nach der Akzeptabilität gefragt. Hierbei stellt es sich als sinnvoll heraus, zwischen primärer und sekundärer Rezipientenschaft zu unterscheiden. Um die Akzeptanz von Leichte-Sprache-Texten zu erforschen, wird eine Analyse des Onlinediskurses hinsichtlich der Erstausstrahlung der tagesschau in Einfacher Sprache (am 12.06.2024) durchgeführt. Die Reaktionen auf X zeigen, dass mit der Erhöhung von Verständlichkeit nicht automatisch auch Akzeptanz verbunden ist. Während primäre Adressaten von der sprachlichen Vereinfachung profitieren können, stoßen diese Angebote bei sekundären Rezipienten mitunter auf heftige Ablehnung. Ein fehlendes Bewusstsein für die kommunikativen Bedürfnisse von Menschen mit Lernbehinderung und anderer Personenkreise ist nur einer der Gründe hierfür. Vielmehr dienen Diskurse um die Barrierefreiheit im Netz häufig als Projektionsfläche für bereits bestehende und ungelöste gesellschaftliche Spannungen. Der Beitrag plädiert für Sensibilisierungskampagnen, die sowohl die Legitimität barrierefreier Formate betonen als auch die Notwendigkeit einer differenzierten Berichterstattung hervorheben.
Marco Agnetta (Tue,) studied this question.