Säuglings- und kindgerichtete Lieder werden für diverse Zwecke im Rahmen der Kinderbetreuung genutzt, beispielsweise zur Unterhaltung, zum Beruhigen oder um Aufmerksamkeit zu erregen und zu erhalten. Säuglinge schenken kindgerichteten Liedern Aufmerksamkeit, verarbeiten musikalische Elemente wie Rhythmus und Tonhöhe neuronal, und bewegen sich zu wiedergegebenen musikalischen Stimuli. Um zu untersuchen, ob kindgerichtete Lieder die von Bezugspersonen intendierten Effekte auf Säuglinge haben, ist es notwendig, die musikalische Auseinandersetzung von Säuglingen mit verschiedenen akustischen Merkmalen und musikalischen Strukturen auf mehreren Modalitäten zu untersuchen, sowohl in kontrollierten Playbackexperimenten als auch in Live-Interaktionen. Die Studien dieser Dissertation versuchen darüber aufzuklären, welche akustischen Merkmale in kindgerichteten Liedern starke neuronale, motorische, und Aufmerksamkeitsreaktionen hervorrufen. Die erste Studie untersucht, wie 3, 6 und 12 Monate alte Säuglinge kontrollierte, kindgerichtete Musikstimuli neuronal und motorisch verarbeiten, und ob musikalische Struktur und Tonhöhe diese Prozesse beeinflussen. Diese Studie unterstreicht die Bedeutung musikalischer Struktur für die neuronale Verarbeitung kindgerichteter Lieder. Des Weiteren zeigt sie, dass die neuronale Verarbeitung musikalischer Stimuli in der Entwicklung früher beobachtet werden kann als rhythmische Bewegung als Reaktion auf ebendiese musikalischen Stimuli. Sie zeigt auch, dass nur im Alter von sechs Monaten höhere Tonhöhen besser neuronal verarbeitet werden als tiefere Tonhöhen, und dass Säuglinge in ihrem ersten Lebensjahr nicht mit Taktschlägen synchronisieren können. Die zweite und dritte Studie untersuchen mütterlichen Live-Gesang von Spielliedern und Schlafliedern zu sieben Monate alten Säuglingen. Die zweite Studie zeigt, dass Schlaflieder besser neuronal getrackt werden und Spiellieder mehr rhythmische Bewegung auslösen, und dass es positive Korrelationen zwischen der Größe des Wortschatzes im Alter von zwanzig Monaten und dem neuronalen Tracking sowie rhythmischen Bewegungen zu Spielliedern im Alter von sieben Monaten gibt. Die dritte Studie beschreibt, wie die Aufmerksamkeit von Säuglingen und die Variabilität im Singen von Müttern eine multimodale Interaktion abhängig vom Liedtyp kreieren. Spiellieder lösen mehr Aufmerksamkeit aus als Schlaflieder und Mütter reagieren auf Aufmerksamkeit der Säuglinge in Spielliedern, nicht in Schlafliedern. Gemeinsam bieten diese drei Studien wertvolle Einblicke in die neuronale Verarbeitung, Verhaltensreaktionen, und multimodale, interaktive Natur kindgerichteter Lieder, sowie Langzeitfolgen im sprachlichen Bereich. Angesichts der Allgegenwärtigkeit kindgerichteter Lieder im Betreuungskontext bilden diese Ergebnisse einen wichtigen Baustein im Verständnis davon, wie Säuglinge kindgerichtete Lieder wahrnehmen und mit ihnen interagieren, und zeigen mögliche Implikationen für die Entwicklung auf.
Susanne Reisner (Thu,) studied this question.
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