Der Informationsfluss der modernen Welt ist vielfältig und häufig widersprüchlich, sodass es Individuen zunehmend schwerfällt, sich selbstständig darin zu orientieren. Die Auswahl, Strukturierung und Präsentation wesentlicher Informationen gehören zu den zentralen Aufgaben des Mediensystems und eröffnen zugleich weitreichende Möglichkeiten zur Manipulation des öffentlichen Bewusstseins durch einseitige Darstellungen. Solche Praktiken können Polarisierung verstärken und zur Dämonisierung der Gegenseite beitragen. Medien verfügen dabei über erhebliche Instrumente, um öffentliche Meinungen zu Ereignissen, Personen oder Phänomenen zu formen und unterschiedliche, auf demselben Ereignis beruhende Interpretationen zu erzeugen. Die heutige „On-Screen-Kultur“ entwickelt sich so zu einem neuen Schauplatz des Konflikts – zu einer beratenden, medial vermittelten Form der Auseinandersetzung, die mit informationsvirtuellen Objekten operiert und damit mit der Information selbst. Die Wurzeln des russisch-ukrainischen Konflikts reichen weit vor die Invasion von 2014 zurück und lassen sich bis in die Transformationsprozesse nach dem Zerfall der Sowjetunion zurückverfolgen. Wesentliche Entwicklungen prägten bereits die späten 1990er Jahre. Aufschlussreich sind insbesondere die Einschätzungen des russischen Generalstabschefs Waleri Gerassimow, der 2013 den wachsenden Stellenwert nichtmilitärischer Methoden zur Erreichung politischer und strategischer Ziele betonte. Diese Prinzipien bildeten eine zentrale Grundlage für die hybride Invasion der Ukraine 2014, die militärische Mittel mit gezielten psychologischen Operationen und propagandistischen Narrativen kombinierte – insbesondere gegenüber russischsprachigen Bevölkerungsgruppen. Die vorliegende Forschung analysiert vier Schlüsselstudien aus den Jahren 2014 bis 2019 und zeigt, wie hybride Informationskriegsführung darauf abzielte, die Legitimität der Ukraine zu untergraben und gesellschaftliche Kohäsion zu schwächen.
Binyamin Gurstein (Wed,) studied this question.