Die hohe Reliefenergie in alpinen Lebensräumen führt zu einer starken Variation abiotischer Stressfaktoren und biotischer Interaktionen zwischen Pflanzen. Diese Unterschiede bewirken bereits über kurze Distanzen eine Differenzierung der Pflanzengesellschaften und tragen zu der hohen Diversität von Gefäßpflanzenarten in alpinen Regionen bei. Um zu verstehen, wie diese Vielfalt aufrechterhalten wird, werden zunehmend funktionelle, trait-basierte Ansätze eingesetzt, da sie Artmerkmale mit ökologischen Strategien und Reaktionen auf die Umwelt verknüpfen. Das CSR-Konzept bietet eine Möglichkeit Pflanzenarten in drei Strategietypen einzuteilen: Konkurrenz (C), Stresstoleranz (S) und Ruderalität (R). Mit der von Pierce et al. (2017) vorgeschlagenen Implementierung lassen sich CSR-Strategien anhand von drei häufig gemessenen funktionellen Merkmalen quantifizieren: Blattfläche (LA), spezifische Blattfläche (SLA) und Trockensubstanzgehalt der Blätter (LDMC). Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Leistung alpiner Pflanzen und der funktionellen Zusammensetzung ihrer Nachbarn in Bezug auf deren CSR-Strategien. Analysiert wird, ob die gemeinschaftliche CSR-Zusammensetzung das individuelle Pflanzenwachstum, die interannuelle Variabilität des Pflanzenwachstums sowie die Blütenproduktion beeinflusst und wie sich diese Zusammensetzung entlang eines Höhengradienten verändert. Unter Verwendung eines geschichteten Zufallsstichprobenverfahrens wurden 1.658 Versuchsflächen auf dem Schrankogel (3.497 m) in Tirol, Österreich, eingerichtet und Leistungsdaten über mehrere Vegetationsperioden (2021-2024) erhoben. Ergänzende Daten zu LA, SLA und LDMC wurden aus der TRY-Datenbank bezogen und die CSR-Strategietypen der Arten wurden mithilfe des StrateFy-Tools berechnet. Anschließend wurden gemischte Effektmodelle angepasst, um so den Einfluss von CSR-Strategieabweichungen zwischen Zielpflanzen und ihrer Nachbarschaft zu analysieren. Die Ergebnisse zeigen, dass die durchschnittlichen CSR-Strategiewerte der Nachbarpflanzen keinen signifikanten Einfluss auf die Leistung einzelner Pflanzen hatten. Für die interannuelle Variabilität des Pflanzenwachstums wurden hingegen statistisch signifikante Effekte festgestellt, deren erklärte Varianz war allerdings marginal. Die CSR-Variationen der Pflanzengemeinschaften entlang des Höhengradienten stimmten mit früheren Ergebnissen von Pierce et al. (2017) überein. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass in diesem alpinen System andere Umweltbedingungen eine weitaus größere Rolle für die Pflanzenleistung spielen als die funktionelle Zusammensetzung ihrer Nachbarn. Zudem scheint es, als würden LA, SLA und LDMC die ökologische Strategie einer Pflanzenart nicht vollständig erfassen, was CSR-basierte Ansätze zur Erklärung der Pflanzenleistung einschränkt. Die Ergebnisse tragen zum Verständnis der Gemeinschaftsbildungsprozesse in alpinen Ökosystemen bei und bewerten die Anwendbarkeit des StrateFy-Tools auf Artniveau. Für zukünftige Studien auf Artenebene könnten morpho-physiologische Modelle, die zusätzliche Merkmale des Wachstums und der Ressourcenaneignung verwenden, besser geeignet sein, um pflanzliche Lebensstrategien adäquat abzubilden.
Toma Loreti (Thu,) studied this question.