Ausgehend von Forschungen über befreite Minderjährige – ehemals versklavte Kinder, die der Kolonialstaat im Senegal nach ihrer Emanzipation Vormündern anvertraute – beschreibt dieser Artikel den Prozess des Aufbaus einer Datenbank mit identifizierenden Informationen über ehemals versklavte Kinder im frühen kolonialen Senegal auf der Grundlage von Daten, die ursprünglich im frühen zwanzigsten Jahrhundert gesammelt wurden. Die Datenbank wird genutzt, um sowohl historische als auch ethische Fragen zu Namensgebungspraktiken und Decknamen, Erfahrungen von Unfreiheit sowie der Handlungsmacht (Agency) marginalisierter afrikanischer Kinder aufzuwerfen. Von den 1.324 befreiten Minderjährigen, die zwischen 1895 und 1910 in Saint-Louis unter Vormundschaft gestellt wurden, nahmen beispielsweise mindestens 114 zu irgendeinem Zeitpunkt einen anderen Namen an – eine Tatsache, die interessante Fragen zu Namensgebung, Namensänderungen und Handlungsfähigkeit aufwirft. Ich argumentiere, dass Namen fragmentarische Belege über den kulturellen oder sprachlichen Hintergrund bzw. die geografische Herkunft ihrer Träger enthalten und – was noch wichtiger ist – dass Decknamen Einblicke in soziale Netzwerke oder Formen der Selbstinszenierung (Self-Fashioning) bieten können. Dennoch könnte die Reproduktion von Namen aus kolonialen Inventaren in Projekten der digitalen Geschichtswissenschaft Unterdrückung und Gewalt fortschreiben und unter bestimmten Umständen zu Stigmatisierung und Scham unter Nachfahrengemeinschaften beitragen. Daher sollten Forschende sie zwar in Datenbanken und andere digitale Geschichtsprojekte aufnehmen, jedoch nur, wenn ethische Bedenken adressiert und gelöst werden können.
Kelly Duke Bryant (Mon,) untersuchte diese Frage.
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