Einleitung: Das Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS) ist ein lebensbedrohlicher Zustand, gekennzeichnet durch plötzliche Lungenödeme und schwere Hypoxämie, der oft eine Intensivstationsaufnahme und mechanische Beatmung erfordert. Die Berliner Definition klassifiziert ARDS anhand des PaO2/FiO2-Verhältnisses in mild, moderat und schwer, mit steigender Mortalität von 27 % bei mildem bis 45 % bei schwerem ARDS. Trotz Fortschritten in der unterstützenden Therapie bleibt die Sterblichkeit hoch. Obwohl allgemeine Scores wie APACHE II und qSOFA existieren, spiegeln diese nicht die ARDS-spezifische Pathophysiologie wider. Ein ARDS-spezifisches Punktesystem könnte klinische Entscheidungen unterstützen und die Versorgung an Patientenwünsche anpassen. Methoden: Wir nutzten den National Inpatient Sample (NIS) von 2016 bis 2020, um erwachsene Patienten mit ARDS-Diagnose (ICD-10-Code J80) zu identifizieren. Eine multivariate logistische Regression wurde mittels SPSS durchgeführt, um ICD-10-Codes mit der stärksten Assoziation zur Krankenhausmortalität zu ermitteln. Odds Ratios wurden unter Verwendung der Eulerschen Zahl (e^β) berechnet. Statistisch signifikante Variablen (p < 0,05) waren akutes Nierenversagen (AKI), virale Pneumonie, systemisches inflammatorisches Response-Syndrom (SIRS)/Sepsis, Vorhofflimmern/-flattern, Hirndysfunktion sowie koronare Herzkrankheit (CAD). Jede Erkrankung wurde als binäre Variable behandelt und durch Skalierung der logarithmierten Odds Ratios relativ zum kleinsten sinnvollen Koeffizienten (CAD, log (OR) = 0,195) in ein punktebasiertes System überführt. Ergebnisse: AKI zeigte die stärkste Mortalitätsassoziation (OR 2,38; p < 0,001), gefolgt von viraler Pneumonie (OR 2,17) und SIRS/Sepsis (OR 1,92). Hirndysfunktion (OR 1,52) und Vorhofflimmern/-flattern (OR 1,51) waren ebenfalls signifikant, CAD wies eine geringere, jedoch relevante Assoziation auf (OR 1,22). Die Punktevergabe erfolgte wie folgt: CAD (1), Vorhofflimmern/-flattern und Hirndysfunktion (je 2), SIRS/Sepsis (3) sowie virale Pneumonie und AKI (je 4). Schlussfolgerungen: Wir entwickelten einen ARDS-spezifischen Mortalitätsrisikoscore auf Basis national repräsentativer Daten. Durch Quantifizierung zentraler Todesprognosefaktoren kann dieses Instrument Klinikern helfen, Hochrisikopatienten zu identifizieren und frühzeitig informierte Gespräche über Behandlungsziele mit Familien zu führen. Eine prospektive Validierung in klinischen Krankenhausumgebungen ist notwendig, um die praktische Anwendbarkeit und den klinischen Nutzen zu bewerten.
Zhou et al. (Sun,) untersuchten diese Fragestellung.