Die Krim, am Rande Südosteuropas gelegen, beherbergt zahlreiche tief stratifizierte, gut erhaltene paläolithische Fundstätten. Sie galt lange als Rückzugsgebiet der Neandertaler in Eurasien, bevor diese vom anatomisch modernen Menschen verdrängt wurden. Diese Annahme basiert hauptsächlich auf der Analyse lithischer Technologien und der Radiokohlenstoffdatierung. Neuere Entwicklungen in der Radiokohlenstoffdatierung haben jedoch verbesserte Protokolle in der Probenvorbereitung (HYP-Extraktion, Ultrafiltration, XAD-2-Ionenchromatographie) eingeführt, um die Genauigkeit der Radiokohlenstoffdatierung von Knochenkollagen zu verbessern. Dabei zeigte sich, dass einige der zuvor ermittelten Radiokohlenstoffdaten zu jung ausfallen. Die Diskrepanzen resultieren vor allem aus Probenverunreinigungen und der unzureichenden Entfernung dieser Verunreinigungen durch die radiokohlenstoffchemischen Methoden. Um die Zuverlässigkeit bisheriger Ergebnisse zu überprüfen, wird in dieser Dissertation eine kritische Neubewertung anhand von Knochenproben aus acht archäologischen Fundstätten des Mittel- und Jungpaläolithikums auf der Krim durchgeführt: Starosele, Siuren I, Kabazi II, Kabazi V, Chokcurcha I, Buran Kaya III, Zaskalnaya V und Zaskalnaya VI. Eine weitere wichtige Fundstätte in Eurasien wird ebenfalls mit verbesserten Vorbehandlungsprotokollen analysiert. In Glaston (Vereinigtes Königreich) wurden Proben aus bereits präpariertem Knochenkollagen neu datiert. Dies liefert die vermutlich ältesten Belege für Homo sapiens in diesem Teil Nordeuropas. Die Zooarchäologie mittels Massenspektrometrie (ZooMS) wurde zudem an Proben von fünf der paläolithischen Fundstätten der Krim angewendet. Dabei wurden Subsistenzstrategien und ein neues menschliches Knochenfragment, Star 1, identifiziert, dessen Mitochondriensequenz bestimmt wurde. Dies deutet auf eine Fernwanderung von Neandertalern hin, wahrscheinlich aus der russischen Altai-Region, die vor etwa 60.000 Jahren stattfand. Die Ergebnisse der Datierung paläolithischer Knochen von der Krim mithilfe von XAD-2-Harz erlaubten es mir zu überprüfen, ob die Krim-Halbinsel vor dem Aussterben der Neandertaler tatsächlich ein Refugium für sie war. Die ZooMS-Analyse ermöglichte weitere Einblicke in die Subsistenzstrategien der Homininen, die Rekonstruktion ihrer Paläoumwelt und, ganz entscheidend, die Bergung menschlicher Überreste, die in der Welt des Paläolithikums äußerst selten sind.
Emily Maisie Pigott (Thu,) studied this question.