Alpine Vegetation gilt generell als an stressreiche Umweltbedingungen angepasst. Allerdings sind die Umweltbedingungen innerhalb alpiner Landschaften stark heterogen und mikroklimatische Bedingungen können für Pflanzen mehr von Vorteil sein, als die Lufttemperatur vermuten lässt. Ob und zu welchem Grad diese Variabilität die Verteilung pflanzlicher Lebensstrategien in alpinen Landschaften beeinflusst, wurde bisher jedoch kaum erforscht. In meiner Arbeit verwende ich das CSR–Modell (Konkurrenz (C), Stresstoleranz (S) und Ruderalität (R)) ökologischer Strategien von Pflanzenarten als konzeptionellen Rahmen, um mögliche Zusammenhänge zwischen Umweltvariabilität und dominierenden Lebensstrategien in der alpinen Landschaft des Schrankogels in Tirol, Österreich, zu untersuchen. Ich untersuchte insbesondere, welcher der Strategietypen im Untersuchungsgebiet dominiert, wie stark die Variation der Strategietypen ist und ob diese Variation mit den Umweltgradienten von Temperatur, Schneeschmelze und Bodenbedingungen zusammenhängt. Dafür wurden Blattmerkmale von 235 Arten, die auf 885 Versuchsflächen innerhalb der waldfreien subalpinen bis nivalen Zone dieses Berges vorkommen erworben. Aus diesen Merkmalen berechnete ich die C, S und R Werte für jede Art sowie gemeinschaftsgewichtete C, S und R Werte für jede Versuchsfläche und korrelierte diese Werte mit Gradienten der mittleren Jahrestemperatur, der Dauer der Schneebedeckung, des Kohlenstoffgehalt der Böden sowie deren Wasserhaltekapazität. Es ließ sich eine klare Dominanz des stresstoleranten Strategietyps über alle Arten hinweg und noch stärker innerhalb der Werte der gemeinschaftsgewichteten Versuchsflächen erkennen. Dennoch zeigte sich eine erhebliche Variation innerhalb der gewichteten Werte, und diese Variation korrelierte signifikant mit den Umweltgradienten. Zwischen jedem Prädiktor (Umweltvariable) und den gemeinschaftsgewichteten Mitteln der CSR-Zusammensetzung bestand ein hochsignifikanter Zusammenhang. Die Ergebnisse zeigen, dass Stress der vorherrschende Filter der alpinen Pflanzen-Metagemeinschaft und der wichtigste Treiber der Zusammensetzung alpiner Pflanzengemeinschaften ist. Es besteht jedoch eine gewisse Variation entlang der Umweltgradienten. Insbesondere nahm der Anteil an S-Werten mit zunehmender Temperatur, kürzerer Schneebedeckung, höherem Kohlenstoffgehalt und höherer Wasserhaltekapazität zu. Der Anteil an R-Werten nahm mit abnehmender Temperatur, längerer Schneebedeckung, niedrigem Kohlenstoffgehalt und niedriger Wasserhaltekapazität zu. Der Anteil der C-Werte stieg mit zunehmender Temperatur, kürzerer Schneebedeckung, höherem Kohlenstoffgehalt und höherer Wasserhaltekapazität. Meine Ergebnisse legen nahe, dass eine beträchtliche umweltgetriebene Variation von Lebensstrategien und den damit verbundenen Pflanzenmerkmalen bereits in derzeitigen alpinen Landschaften realisiert ist. Daraus folgt, dass Veränderungen der mittleren Merkmalswerte und resultierenden Ökosystemeigenschaften und -funktionen relativ schnell eintreten können, wenn der Klimawandel wie prognostiziert voranschreitet.
Anna Sigrid Eichhorn (Thu,) studied this question.