Vaccinium uliginosum (Rauschbeere) wird in Nordamerika und Teilen Asiens seit langem als Nahrungs- und Heilmittel genutzt, während der Verzehr in mehreren europäischen Regionen aufgrund vermeintlich toxischer Wirkungen traditionell gemieden wird. Eine fundierte wissenschaftliche Grundlage fehlt bislang, weshalb das Projekt „Bog Bilberry Enigma“ ins Leben gerufen wurde, bei dem bisher vor allem die apolaren Inhaltsstoffe der Beeren untersucht wurden. Ziel der Masterarbeit war es, die phytochemische Zusammensetzung sowie die biologische Aktivität und das potenziell toxische Profil der Rauschbeerfrüchte systemisch zu erfassen. Dabei wurden Proben unterschiedlicher geografischer Herkunft verglichen und der mögliche Einfluss einer Infektion mit Monilina megalospora sowie von Fermentationsprozessen auf die chemische Zusammensetzung und Bioaktivität der Beeren untersucht. Die Analyse erfolgte mittels ultra-high-performance liquid chromatography (UHPLC) und ultra-high-performance supercritical fluid chromatography (UHPSFC). Zur Bewertung der biologischen Aktivität und Toxizität wurden sowohl in-vitro Untersuchungen an GFP-markierten humanen Leberzellen (Huh-7) als auch in-vivo Experimente am Modellorganismus Caenorhabditis elegans durchgeführt. Ergänzend wurde im Rahmen von Fermentationsexperimenten die Ethanolbildung im Rauschbeersaft unter verschiedenen Bedingungen sowie im Vergleich zu verwandten Vaccinium-Arten untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Rauschbeeren nicht als toxisch einzustufen sind. Unterschiede in den Metabolitenprofilen waren gering und toxische Effekte konnten nicht beobachtet werden. Die ausgeprägte Fermentationsfähigkeit der Rauschbeere liefert jedoch eine plausible Erklärung für historische Berichte über die berauschende Wirkung nach dem Verzehr.
Kira Schmuth (Thu,) studied this question.