In der ostasiatischen Tradition der klassischen Dichtung ist das Konzept des ‚Bildes (意象)‘ eine konkrete Ausdrucksform der Lebenserfahrung des Dichters. Es entspringt dem poetischen Inneren des Dichters und baut gleichzeitig unter Rückgriff auf die Textzeichen ein Netzwerk von Bedeutungen auf, das schließlich im Akt der Interpretation durch den Leser ästhetische Empathie hervorruft. Diese Eigenschaft der ostasiatischen klassischen Dichtungsbilder entspricht dem zentralen Konzept der ‚Interjektivität (intersubjectivity)‘ in der westlichen Philosophie des 20. Jahrhunderts. Die Gedichte Lee Sung-ins (李崇仁) aus der späten Goryeo-Zeit sind tief in der chinesischen Tang- und Song-Dichtung verwurzelt, wobei die darin enthaltenen Naturbilder und humanistischen Bilder sich wechselseitig ergänzen und traditionelle Paradigmen wie ‚탁물언지 (Taq wu yanzhi, Dinge als Ausdruck des Willens)‘ oder ‚정경교융 (Emotion und Szenerie verschmelzen)‘ transzendieren. Seine Gedichte erweitern den Bedeutungsbildungsprozess zu einem Feld, an dem multiple Subjekte gemeinsam partizipieren, wodurch vielschichtige ästhetische Ebenen aufgebaut werden und die interjektiven Merkmale der ostasiatischen klassischen Dichtung zum Ausdruck kommen. Auf ästhetischer Ebene transformieren Lee Sung-ins Gedichte die Natur zu einem Dialograum und internalisieren Kultur als Spiegel des Inneren. Natur ist nicht mehr nur eine äußere Landschaft, und Kultur ist kein bloßes historisches Erbe, sondern ein in der Wechselwirkung von Subjekt und Objekt fortwährend entstehendes Bedeutungsfeld. Dichter, Natur, traditionelle Kultur und Leser formen in diesem Raum eine offene Struktur von ‚gegenseitiger Anerkennung und gemeinsamer Erzeugung‘. Dadurch verwirklichen Lee Sung-ins Gedichte über individuelle Lyrik hinaus die ästhetische Reichhaltigkeit und lebendige Dynamik ostasiatischer Dichtung, verkörpert in Konzepten wie ‚萬物有靈 (Alle Dinge haben Geist)‘, ‚物我交融 (Verschmelzung von Objekt und Ich)‘ und ‚古今相通 (Verbindung von Alt und Neu)‘. Auf philosophischer Ebene spiegeln die ‚Resonanz (感應)‘ in den Naturbildern und die ‚intertextuelle Verknüpfung‘ in den humanistischen Bildern Lee Sung-ins Bemühungen wider, ein Gleichgewicht zwischen konfuzianischem ‚Weltverbesserung (濟世)‘, buddhistischer ‚Leere und Stille (空寂)‘ und daoistischer ‚Verborgenheit (隱逸)‘ zu suchen. Dies offenbart zugleich die komplexe innere Welt Lee Sung-ins als konfuzianischer Gelehrter der späten Goryeo-Zeit und dokumentiert Spuren seines geistigen Selbstheils in Zeiten politischer Unruhe und kultureller Übergänge.
Liu et al. (Sat,) haben diese Fragestellung untersucht.