Zusammenfassung: In der Eltern-Kind-Beziehung spielen innerfamiliäre Erwartungen und Verpflichtungen eine wichtige Rolle bei der Beziehungsgestaltung und der Entwicklung gegenseitiger Verhaltenserwartungen über die Lebensspanne. Verpflichtungen innerhalb von Familienbeziehungen werden als persönliche Verpflichtung (felt obligation) beschrieben, definiert als Erwartung angemessenen Verhaltens, die durch Merkmale der Beziehung zu den Eltern geprägt ist. Mithilfe eines Vorhersagemodells wurde untersucht, welche Beziehungsaspekte zwischen erwachsenen Kindern und ihren Eltern das Ausmaß persönlicher Verpflichtung beeinflussen. Berücksichtigt wurden wahrgenommene Reziprozität, erhaltene elterliche Unterstützung, soziale Normen, Beziehungsqualität und Autonomie. Die in Deutschland durchgeführte Paper-Pencil-Befragung umfasste 600 erwachsene Kinder (53,8 % weiblich, 25 – 49 Jahre). Strukturgleichungsmodellierungen, getrennt für Mütter und Väter, wiesen soziale Normen, wahrgenommene Reziprozität, Beziehungsqualität und erhaltene Unterstützung als signifikante Prädiktoren persönlicher Verpflichtung aus, während Autonomie keinen wesentlichen Beitrag zur Varianzaufklärung leistete. Die Befunde implizieren, dass familienbezogene Beratungs- und Unterstützungsangebote vorrangig auf die Stärkung reziproker Austauschprozesse, normativer Erwartungen und der Beziehungsqualität ausgerichtet sein sollten, weniger auf die Förderung individueller Autonomie.
Schönert et al. (Mon,) studied this question.