Wessen Standpunkt zählt? Behinderung, Verbundenheit und Wissen in der Gemeinschaft. Diese Arbeit erweitert die Standpunkttheorie, um kognitiv behinderten Menschen und ihren Gemeinschaften zu helfen. Die Standpunkttheorie ist ein kritischer erkenntnistheoretischer Rahmen für das Verständnis der Privilegierung des situativen Wissens unterdrückter Gruppen im Hinblick auf ihre soziopolitische Situation. „Kognitive Behinderung“ ist in dieser Arbeit eine soziopolitische Kategorie, die Menschen umfasst, die als kognitiv und kommunikativ „subnormal“ wahrgenommen und behandelt werden. Sie erfahren starke Ausgrenzung, Diskriminierung und hohe Missbrauchsraten; dennoch wird ihr eingeschränktes Leben meist als natürliche Folge einer intrinsischen Unfähigkeit angesehen, in der normalen Gesellschaft zu funktionieren. Ich verfolge einen kritischen Behinderungsansatz in Bezug auf Kognition und politisiere, was typischerweise als medizinisches und karitatives Problem angesehen wird. Standardmäßige emanzipatorische Instrumente, die von anderen unterdrückten Gruppen eingesetzt wurden, basieren jedoch auf prohibitiven Normen der Kommunikation, Kritikalität, Mobilität und Autonomie. Stattdessen werden Eltern und andere Gruppenfremde typischerweise als epistemische Autoritäten im Leben kognitiv behinderter Menschen angesehen. Ich argumentiere, dass dieser Rückgriff auf epistemische Stellvertreter ethisch und epistemisch unzureichend ist. Ethisch, weil er die Ausgrenzung und Unterdrückung der eigenen Perspektiven und Prioritäten kognitiv behinderter Menschen aufrechterhält. Epistemisch, weil – wie wir bei anderen unterdrückten Gruppen gesehen haben – diejenigen, die direkte Ziele eines Unterdrückungssystems sind, über Wissen verfügen, das aus anderen Positionen nicht gewonnen werden kann. Als Außenstehende können wir nur unter ihrer Anleitung die richtigen Maßnahmen ergreifen. Im Kontext kognitiver Behinderung ist dies keine einfache Annahme. Dieses Projekt basiert teilweise auf Fragen, die Robert A. Wilson in „The Eugenic Mind Project“ (2018) und Licia Carlson in „The Faces of Intellectual Disability“ (2010) aufgeworfen haben. Beide Autorinnen beginnen, einen Standpunkt-theoretischen Ansatz zur Unterdrückung kognitiv behinderter Menschen in Betracht zu ziehen, sehen in diesem Zusammenhang jedoch beide erhebliche Probleme. Um diese Probleme anzugehen, entwickle ich die Unterscheidung zwischen primären und sekundären Standpunkten von Joshua St. Pierre: Ich betrachte die Standpunktentwicklung als ein kritisches Projekt der Verbündetenschaft, das die zentrale epistemische Autorität kognitiv behinderter Menschen aufrechterhält und ihnen gleichzeitig kreative und verantwortungsvolle epistemische Rollen innerhalb breiterer Wissensgemeinschaften zuweist.
Ruadhán James Flynn (Wed,) studied this question.