Zusammenfassung Welche Rolle spielt der historische Bezug in der Funktion der biblischen Erzählung? Diese umfassende Frage ist zu sehr an theoretische Überlegungen gebunden, darüber, was (theologisch) der Fall „sein muss“, aber ich gehe stattdessen vor, indem ich zwei interessanterweise verwandte Beispiele erkunde: Dan 6 und die Geschichte der göttlichen Vorsehung in der Löwengrube sowie Dan 14 (Griechisch) und die Geschichte des Propheten Daniel in der Löwengrube nach der Tötung des „Drachen“. Im Gegensatz zu Ansätzen zu Dan 6, die eine maximale historische Interpretation einladen, gehen Ansätze zu den Zusätzen zu Daniel tendenziell davon aus, dass sie nicht historisch referenziell sein können. Ich schlage vor, dass der (deutero-)kanonische Status der Apokryphen einen interessanten Prüfstein bietet, um offenzulegen, wie Interpreten denken, dass biblische Narrative wahrhaftig funktionieren. Eine solche Wahrhaftigkeit lässt sich theoretisch besser nicht in Bezug auf historische Referenzen, sondern über J. R. R. Tolkiens Idee einer sekundären Welt, in die Autor und Leser eintreten, um theologische Erleuchtung zu suchen, verstehen. Eine abschließende Überlegung deutet darauf hin, dass Kriterien für theologische Wahrheit sowohl in der Rezeption eines Textes als auch in der historischen Referenz zur Welt hinter dem Text gefunden werden können, vielleicht sogar umso mehr.
Richard S. Briggs (Thu,) hat diese Frage untersucht.