Gesundheitssysteme unterscheiden sich in ihren institutionellen Strukturen, in der Art und Weise, wie Zugang zur Gesundheitsversorgung gewährt wird, und in den Erwartungen an Patient:innen. Für Migrant:innen bedeutet der Eintritt in ein neues System, sich auf unbekannte Abläufe und Erwartungen einzustellen. Um diesen Prozess besser zu verstehen, untersuchte die vorliegende Studie, wie Menschen der ersten Zuwanderungsgeneration aus dem Mittleren und Nahen Osten zwei Dimensionen kulturellen Gesundheitskapitals - navigationales und soziales Kapital - im deutschen Versorgungskontext erleben und verstehen. Auf Grundlage qualitativer Interviews mit 15 Teilnehmenden analysierten wir, wie sie diese Dimensionen im Gesundheitssystem beschreiben. Navigationales Kapital umfasste beispielsweise Vertrautheit mit strukturellen Abläufen sowie Vorwissen mit einem biomedizinischen Gesundheitssystem im Herkunftsland. Soziales Kapital zeigte sich in unterschiedlichen Formen zwischenmenschlicher Kontakte, etwa zu Partner:innen, Freund:innen oder entfernten Familienmitgliedern, die je nach wahrgenommener Nähe, Vertrauen und situativem Kontext selektiv einbezogen wurden. Die Ergebnisse bieten eine differenzierte Perspektive darauf, welche Ressourcen Migrant:innen im deutschen Gesundheitssystem nutzen. Sie tragen zu einem vertieften Verständnis von kulturellem Gesundheitskapital aus der Sicht jener bei, die Versorgung unter veränderten institutionellen Bedingungen navigieren.
Lanfer et al. (Wed,) studied this question.