Diese Masterarbeit untersucht die Frage der Gleichstellung am Arbeitsplatz in Südkorea und Österreich und analysiert dabei sowohl die rechtlichen Rahmenbedingungen als auch die gelebte Realität in der Arbeitswelt. Ausgangspunkt der Studie ist die Beobachtung, dass in beiden Ländern formale Gleichstellungsgesetze existieren, deren Wirksamkeit jedoch stark von kulturellen Normen, gesellschaftlichen Erwartungen und organisatorischen Strukturen geprägt ist. Ziel war es daher, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Kontexten zu identifizieren und aufzuzeigen, wie gesetzliche Bestimmungen, organisatorische Maßnahmen und gesellschaftliche Werte zusammenwirken, um die Gleichstellung entweder zu fördern oder zu behindern. Der theoretische Rahmen basiert auf Ansätzen aus der Gleichstellungstheorie, der Intersektionalität und Modellen der Organisations- und Kulturwissenschaften. Diese Perspektiven ermöglichen ein analytisches Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Recht, Kultur und Arbeitsplatzorganisation. Die Studie verwendet eine Methode, die eine umfassende Literaturrecherche, die Analyse relevanter Rechtsquellen auf nationaler und supranationaler Ebene sowie die systematische Auswertung aktueller Studien und Berichte zur Gleichstellung am Arbeitsplatz in beiden Ländern umfasst. Dieser Ansatz besteht aus mehreren Ebenen und kombiniert empirische Erkenntnisse mit normativen Überlegungen. Die vergleichende Analyse zeigt, dass Österreich stark vom Rechtsrahmen der Europäischen Union profitiert, der durch Richtlinien und Verordnungen verbindliche Standards für Gleichbehandlung und Antidiskriminierung festlegt. Nationale Gesetze und institutionelle Mechanismen sorgen dafür, dass diese Bestimmungen weitgehend umgesetzt und überwacht werden. Obwohl weiterhin Herausforderungen bestehen – beispielsweise hinsichtlich der Vertretung von Frauen in Führungspositionen und des Fortbestehens geschlechtsspezifischer Lohnunterschiede –, sind insgesamt Fortschritte sichtbar und messbar. Südkorea hingegen hat eine Reihe fortschrittlicher Gesetze eingeführt, wie das Gesetz zur Chancengleichheit am Arbeitsplatz und zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie (Equal Employment Opportunity and Work-Family Balance Assistance Act) sowie das Rahmengesetz zur Gleichstellung der Geschlechter (Framework Act on Gender Equality) . In der Praxis erweist sich die Durchsetzung jedoch oft als unzureichend. Der Einfluss gesetzlicher Regelungen wird durch kulturelle Aspekte wie eine strenge Arbeitszeitkultur, hierarchische Organisationsstrukturen und konventionelle Geschlechterrollen erheblich eingeschränkt. Dies zeigt sich besonders deutlich im Bereich der Familien- und Betreuungsaufgaben: Trotz gesetzlicher Regelungen tragen Frauen nach wie vor einen unverhältnismäßig hohen Anteil der unbezahlten Haus- und Betreuungsarbeit, was ihre berufliche Entwicklung erheblich einschränkt. Aus unternehmerischer Sicht ist klar, dass sowohl Österreich als auch Südkorea nach wie vor mit erheblichen Schwierigkeiten bei der Förderung der Gleichstellung am Arbeitsplatz zu kämpfen haben. Obwohl es vielen Unternehmen in Österreich gelungen ist, mehr Frauen für ihre Belegschaft zu gewinnen, schränken „gläserne Decken“ weiterhin den Zugang zu Führungs- und Entscheidungspositionen ein. In Südkorea sehen sich Unternehmensmitarbeiter häufig mit kulturellen Erwartungen in Bezug auf lange Arbeitszeiten, hierarchische Strukturen und traditionelle Geschlechterrollen konfrontiert. Diese Faktoren schränken den beruflichen Aufstieg ein und beeinträchtigen die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Diese Dynamik unterstreicht, dass in verschiedenen Branchen die Umsetzung formeller Gleichstellungsmaßnahmen häufig durch Unternehmenskulturen eingeschränkt wird, die strukturelle Ungleichheiten aufrechterhalten. Die Arbeit leistet drei wesentliche Beiträge. Zunächst zeigt sie, dass eine rein rechtliche Analyse für die Beurteilung der Gleichstellung am Arbeitsplatz nicht ausreicht; nur durch die Einbeziehung kultureller und organisatorischer Perspektiven kann ein umfassendes Verständnis erreicht werden. Zweitens zeigt sie, dass rechtliche Normen ihr volles Potenzial nur dann entfalten können, wenn sie von Institutionen wirksam durchgesetzt werden und gesellschaftliche Akzeptanz finden. Drittens enthält sie Empfehlungen für politische Entscheidungsträger und Unternehmen, die sich auf die praktische Anwendung konzentrieren, darunter die Stärkung von Überwachungsmechanismen, die Förderung flexibler Arbeitsmodelle und die Einführung von Diversitätsstrategien. Zusammenfassend zeigt die Studie mögliche Richtungen für die zukünftige Forschung auf. Um allmähliche kulturelle Veränderungen zu beobachten, sind Längsschnittstudien zu Südkorea unerlässlich, und sektorspezifische Analysen würden einen tieferen Einblick in die Dynamik der Gleichstellung in verschiedenen Berufen ermöglichen. Darüber hinaus würde eine intersektionale Perspektive, die neben dem Geschlecht auch Faktoren wie Alter, Klasse und familiäre Verpflichtungen berücksichtigt, detailliertere Erkenntnisse liefern. Die Einbeziehung anderer ostasiatischer Länder in den Vergleich könnte zusätzlichen Kontext für das Verständnis der Situation Südkoreas im Verhältnis zu breiteren regionalen Mustern bieten. Diese Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Gleichstellung am Arbeitsplatz immer das Ergebnis einer dynamischen Wechselwirkung zwischen Recht, Kultur und organisatorischen Praktiken ist. Österreich genießt die Vorteile einer stabilen rechtlichen Grundlage, die durch kulturelle Akzeptanz gestützt wird, während Südkorea Schwierigkeiten hat, seine ehrgeizige Gesetzgebung mit tief verwurzelten sozialen Normen in Einklang zu bringen. Diese Forschung leistet daher einen wichtigen Beitrag sowohl zur akademischen Forschung als auch zur praktischen Politikgestaltung, die darauf abzielt, die Gleichstellung am Arbeitsplatz in verschiedenen Kontexten voranzubringen.
Wanusha Abdulla (Wed,) studied this question.