Titel: Vorbeugende Umstellung der Immunsuppression auf mTOR-Inhibition zur Verhinderung einer Cytomegalovirus-Primärinfektion bei Nierentransplantationen mit Hochrisiko-Serostatus-Konstellation. 1.1 Hintergrund und Ziele Die Gefahr einer CMV-Infektion stellt in der Transplantationsnachsorge bis heute ein großes Problem dar und ist trotz verschiedener Therapieansätze eine häufige virale opportunistische Infektion, die das Gesamtüberleben einschränkt und den Organerhalt gefährdet. Besonders die CMV-high-risk Gruppe der CMV-naiven Empfänger (R-), die ein Organ eines seropositiven Spenders (D+) erhalten, sind hierbei sehr vulnerabel. In unserer Studie an der Medizinischen Klinik 4 des Universitätsklinikums Erlangen wird die bisherige antivirale Prophylaxe mit der Ergänzung auf einen preemptiven Therapieansatz nach 6 Monaten und der Umstellung der Immunsuppression von Mycophenolat-Mofetil auf Sirolimus kombiniert. Ziel der Studie ist es, zu untersuchen, ob die Umstellung zu einer Verringerung der Infektionsrate und zu einer Verringerung der Viruslast oder Hospitalisierung beiträgt. 1.2 Methoden In dieser monozentrischen, retrospektiven Datenerhebung wurden 2 Patientenkohorten mit dem CMV D+/R- Serostatus gebildet. Nach der Umstellung des Protokolls wurden von 2017 bis 2021 29 Patienten miteingeschlossen, die einen mTOR-Inhibitor erhalten haben. Als Kontrollgruppe wurde eine historische Kohorte mit 33 Patienten erfasst, die vor 2017 die Immunsuppression mit MMF/MPA erhalten haben. Patienten, bei denen bereits unter antiviraler Prophylaxe eine Primärinfektion nachweisbar war, wurden dabei ausgeschlossen, da diese bereits vor der Intervention auftrat. 1.3 Ergebnisse und Beobachtungen In der mTOR-Gruppe gab es nach der Umstellung der Immunsuppression 6 Monate nach der Transplantation weniger Primärinfektionen und weniger Hospitalisierungen. Die Patienten hatten im Median eine geringere Viruslast als in der Kontrollgruppe. Aufgrund der kleinen Patientenkohorte waren diese Ergebnisse schlussendlich nicht signifikant. Es traten unter Sirolimus keine CMV-bedingten Komplikationen auf. Auch konnte kein negativer Effekt der mTOR-Inhibitoren im Vergleich zur Kontrollgruppe nachgewiesen werden. 1.4 Schlussfolgerungen Eine Kombination der Strategien einer antiviralen Prophylaxe mit einer anschließenden preemptiven Therapie und Umstellung der Immunsuppression auf mTOR-Inhibitoren ist ein vielversprechender Ansatz, um das klinische Problem der CMV-Infektionen nach Nierentransplantation zu verbessern. Da die Fallzahl der CMV-high-risk Gruppe sehr gering ist, braucht es in Zukunft große multizentrische, prospektive, randomisierte Studien, um den Nutzen von mTOR-Inhibitoren im Vergleich zu anderen Immunsuppressionsregimen in dieser Subgruppe statistisch belegen zu können. Unsere Daten zeigen einen eindeutigen Trend, der auf einen Nutzen von mTOR-Inhibitoren hinweist, während der Organerhalt dabei nicht gefährdet wird.
Jan Paulwitz (Thu,) studied this question.