Ingolstadt und Wien folgen trotz deutlich unterschiedlichen Größenordnungen einer überraschend ähnlichen urbanen Typologie:Beide entwickelten ihre heutige Form als ehemalige Militärstädte, geprägt durch das Glacis-System, mit einer um einen zentralen Kern angeordneten Ringstruktur, teils gebildet von der Donau und ihren Nebenflüssen. Diese formale Verwandtschaft macht sie zu idealen Objekten für eine vergleichende Untersuchung,wobei sich bei genauerer Betrachtung zeigt,dass ihre räumlichen Strategien entlang des Glacis – insbesondere in Bezug auf den Fluss –trotz typologischer Ähnlichkeiten grundlegendkonträr sind.Ingolstadts naturbelassenere Flusslandschaft wird durch vielfältige öffentliche Programme unterstützt, ist jedoch infrastrukturell nicht ausreichend mit dem Stadtkern verknüpft. Das entsprechende Gebiet rund um den Donaukanal in Wien hingegen ist infrastrukturell integriert,programmatisch jedoch monoton und primär konsumorientierten Nutzungen und Infrastrukturen vorbehalten. Aus diesen invertierten Bedingungen ergibt sich der konzeptuelle Rahmen für einen dualen Eingriff entlang der jeweiligen Uferzonen.Eine photo- sowie kartographische Analyse dieser gespiegelten Bedingungen resultiert in einem dualen Entwurf zweier öffentlicher Plätze innerhalb ihres Kontexts: In Ingolstadt schafft der neue „Donauplatz“ Raum entlang des Glacis und fungiert als eine infrastrukturelle Neuausrichtung, die eine Lücke in der räumlichen Kontinuität zwischen Stadt und Fluss in einem Bereich füllt, der zuvor vom Verkehr dominiert war. In Wien hingegen passt die Umgestaltung des "Schwedenplatzes" einen bestehenden Raum, der bereits Teil dieser Kontinuität ist, auf seine Rolle darin als Tor zur Stadt an, indem aus einem liminalen Raum ein städtischer Platz wird, der Raum für eine Vielzahl an Veranstaltungen entlang der Uferzone bietet. Jede Intervention wird somit zum Spiegelbild der anderen, im Sinne von Kontext, Konstruktion und Kontinuität.Ziel ist es nicht, zu vereinheitlichen oder zu homogenisieren und dabei den Fluss als bloße Kulisse zu verstehen, sondern den Raum als Bühne des städtischen Lebens neu zu denken –jeweils spezifisch für den Ort. Damit advokiert das Projekt für präzise architektonische Gesten als Antwort auf existierende Bedingungen - statt tabula-rasaartiger Masterpäne - zur Neugestaltung der Beziehung der Stadt zu ihrem Fluss.
Lukas Westner (2026) studied this question.