Diese Masterarbeit untersucht die gelebten Erfahrungen von Adoptierten äthiopischer Herkunft in Frankreich, mit einem besonderen Fokus auf Identitäts- und Zugehörigkeitsfragen im Kontext von rassialisierten Strukturen. Die Frage der rassialisierten Identität ist im Fall von Adoptionen zwischen unterschiedlich rassialisierten Gruppen besonders relevant, da die Adoptierten überwiegend in weißen sozialen Strukturen sozialisiert werden. Weit davon entfernt, biologisch vorgegeben zu sein, wird die rassialisierte Identität der Adoptierten sozial hervorgebracht. Im späteren Leben werden sie jedoch mit Rassialisierung, Rassismus und Erfahrungen des Othering konfrontiert, was sie dazu zwingt, die Spannungen zwischen ihrer frühen Sozialisation und ihren gelebten Realitäten als rassialisierte Subjekte auszuhandeln. Methodisch stützt sich diese Masterarbeit neben Literatur und Theorie aus der Critical Race Theory, postkolonialen Perspektiven auf Identität und Zugehörigkeit sowie der Forschung zu adoptiver Verwandtschaft auf qualitative Interviews. Es wurden acht halbstrukturierte Interviews mit Adoptierten äthiopischer Herkunft geführt, die in weißen französischen Familien aufgewachsen sind. Dieses Interviewformat ermöglichte es den Teilnehmenden, ihre Erfahrungen narrativ darzustellen, während zugleich Raum für aufkommende Themen blieb. Die gewonnenen Daten wurden mittels thematischer Analyse ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Adoptierte in ihren Adoptivfamilien erleben, wie kulturelle und rassialisierte Differenzen durch verwandtschaftliche Praktiken, weiße Normativität und Annahmen von sogenannter „Farbenblindheit“ (colorblindness) verhandelt werden und letztlich nivelliert werden sollen. Infolgedessen internalisieren viele adoptierte Personen Weißsein (whiteness) als normative Identität, was eine anfängliche Dissonanz zu ihren rassialisierten Erfahrungen erzeugt. Das Erwachsenenalter markiert häufig einen Wendepunkt: Konfrontiert mit Rassialisierung, Alltagsrassismus und Othering beginnen die Adoptierten, ihre rassialisierte Identität und ihr Zugehörigkeitsgefühl neu zu verhandeln. Ihre Zwischenposition – weder vollständig „französisch“ noch „äthiopisch“, weder vollständig „weiß“ noch „schwarz“ – erzeugt Gefühle der Fragmentierung sowie eine Identitäts- und Zugehörigkeitskrise. Gleichzeitig wird diese Position jedoch zu einem Raum von Agency, in dem neue und alternative Formen von Identität und Zugehörigkeit konstruiert werden.
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Jules Tadiwos Stéphane Delamare
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Jules Tadiwos Stéphane Delamare (Thu,) studied this question.
www.synapsesocial.com/papers/69c37b41b34aaaeb1a67d71d — DOI: https://doi.org/10.25365/thesis.80690