Dysbalancen zwischen Muskelkraft und Sehnensteifigkeit sind bei Athlet:innen weit verbreitet. Solche Dysbalancen können nicht nur ein effektives Zusammenspiel der Muskel-Sehnen-Einheit beeinträchtigen, sondern auch zu einer erhöhten Beanspruchung der Sehne führen, was als Risikofaktor für Übelastungsbeschwerden gilt. Derzeit gibt es kaum Ansätze zur frühzeitigen Erkennung und Prävention muskulotendinöser Dysbalancen und es gibt keine Informationen über mögliche Geschlechtsspezifika. In Anbetracht der großen individuellen Unterschiede im Verhältnis aus Muskelkraft und Sehnensteifigkeit wird in dieser Arbeit ein neuartiges Konzept zur personalisierten Muskel-Sehnen-Diagnostik und entsprechendem Training bei männlichen und weiblichen jugendlichen Handballathlet:innen untersucht. Mittels der maximalen Sehnendehnung werden Muskel-Sehnen-Dysbalancen identifiziert und Trainingsvorgaben für eine gleichförmigere Anpassung von Muskel und Sehne getroffen. Ein initialer Geschlechtervergleich über eine Wettkampfsaison zeigte eine niedrigere Muskelkraft der Kniestrecker und Steifigkeit der Patellarsehne bei den weiblichen Athletinnen, während Muskel-Sehnen-Dysbalancen ähnlich stark ausgeprägt waren. Die Dehnung der Patellarsehne während maximal willkürlicher Muskelkontraktionen zeigte bei beiden Geschlechtern deutliche individuelle Fluktuationen im Laufe der Zeit und Episoden mit stark erhöhter Sehnendehnung, was auf ein erhöhtes Verletzungsrisiko der Sehne hindeutet. Die Integration der personalisierten Interventionsübungen gemäß dem Konzept in das reguläre Training der Athlet:innen während einer Wettkampfsaison führte zu einer Reduktion der Muskel-Sehnen-Dysbalancen sowie einer Reduktion stark erhöhter Sehnendehnung und deren Fluktuationen bei beiden Geschlechtern. Angesichts des erhöhten Risikos für Sehnenverletzungen bei stark erhöhter Sehnendehnung könnte dies neue Möglichkeiten in der Prävention und Rehabilitation von Sehnenüberlastungsbeschwerden eröffnen.
Theresa Domroes (Fri,) studied this question.