Die Anzahl der Bücher zu Hause ist ein weit verbreiteter Indikator zur Messung des sozioökonomischen Status der Familie oder der häuslichen Lernumgebung in groß angelegten Studien. Die Zusammenhänge dieses Indikators mit verschiedenen Leistungsindikatoren und sozio-emotionalen Fähigkeiten wurden für unterschiedliche Altersgruppen nachgewiesen. Neben ihrer Funktion als Prädiktorvariable kann die Anzahl der Bücher auch ein Ergebnis an sich sein. Verschiedene theoretische Ansätze (z. B. das Familieninvestitionsmodell, bioökologische Entwicklungsmodelle) verorten einflussreiche Faktoren für Entwicklungsresultate auf unterschiedlichen Ebenen. Die vorliegende Studie hatte das Ziel, einflussreiche Faktoren auf der Ebene des Kindes und der Familie in Bezug auf die Anzahl der Kinderbücher zu Hause zu untersuchen. Dafür wurden die Daten des Nationalen Bildungspanels von 1984 Kinder im Vorschulalter (M(Alter) in Tagen = 1518.69, SD = 63.73; 50.2 % Mädchen), deren Eltern Angaben zur Anzahl der Kinderbücher zu Hause gemacht haben, verwendet. Die Anzahl der Kinderbücher zeigte signifikante Korrelationen unter anderem mit der Bildung der Mutter und der Anzahl der Bücher im Haushalt, während die Zusammenhänge mit dem Wortschatz des Kindes und seinen sozio-emotionalen Fähigkeiten geringer ausfielen. Die Ergebnisse von Regressionsanalysen und Analysen zur relativen Bedeutung zeigten eine besondere Relevanz des Bildungshintergrunds der Mutter, der Anzahl der Bücher im Haushalt, der sprachlichen Fähigkeiten des Kindes und von Problemen mit Gleichaltrigen für die Anzahl der Kinderbücher zu Hause. Somit ist die hohe Anzahl an Kinderbüchern im Haushalt auf verschiedene Faktoren auf unterschiedlichen Ebenen zurückzuführen. Da die Anzahl der Kinderbücher mit verschiedenen schulbezogenen und sozio-emotionalen Fähigkeiten in Zusammenhang steht, könnte Eltern mit niedriger Bildung der Zugang zu Kinderbüchern erleichtert werden. Zudem könnten Eltern dazu ermutigt werden, unterschiedliche Entwicklungsbereiche zu berücksichtigen und ihre Wahrnehmung verschiedener Verhaltensweisen ihres Kindes zu überdenken. Da die durch verschiedene Faktoren erklärte Varianz in der Anzahl der Kinderbücher relativ gering war (.31), sollten zukünftige Studien weitere einflussreiche Faktoren auf unterschiedlichen Ebenen sowie verschiedene Stichproben in Betracht ziehen.
Anna Volodina (2026) studied this question.