Allostatische Last – die Belastung durch kumulative Stressregulation – hat gut belegte Auswirkungen auf Gesundheit und Leistung. Körperliche Aktivität erhöht akut die physiolo-gische Belastung, ist zugleich aber ein potenter Modulator von Stress. Im Rahmen des Dissertationsprojekts wurden mehrere zusammenhängende Studien durchgeführt, um die wechselseitige Beziehung zwischen Stress und körperlicher Aktivität zu untersuchen. Die-se kumulative Dissertation bietet zunächst einen theoretischen Rahmen, der die Studien konzeptionell verbindet, und präsentiert anschließend drei dieser Studien, die den Kern des Projekts bilden. Studie 1 verglich die Stressreaktionen trainierter Athletinnen und Athleten bei zwei laborba-sierten Verfahren zur Induktion von Stress, wobei ein breites Spektrum psychophysiologi-scher Messgrößen erfasst wurde. Trotz der geringen Stichprobengröße zeigte die Studie klare geschlechtsspezifische Unterschiede, mit stärkeren endokrinen Reaktionen bei Män-nern als bei Frauen. Der Trier Social Stress Test (TSST; psychosozial) löste im Vergleich zum Maastricht Acute Stress Test (MAST; psychophysisch) eine signifikant stärkere kardi-al‑autonome Reaktion aus, was die Bedeutung des Stressors unterstreicht. Studie 2 untersuchte, ob körperliche Fitness die Reaktion auf unterschiedliche Stresstests in einer gemischtgeschlechtlichen Stichprobe moduliert. Die Teilnehmenden absolvierten einen stufenförmigen Belastungstest sowie den TSST und den MAST in randomisierter, gegenbalancierter Reihenfolge. Höhere kardiorespiratorische Fitness (VO2peak) war mit einer reduzierten Herzfrequenzreaktion in beiden Stressinduktionstests assoziiert. Bei hor-monellen oder subjektiven Markern zeigten sich hingegen keine Puffereffekte, was auf do-mänenspezifische Effekte von Fitness hindeutet. Studie 3 evaluierte in einer randomisierten kontrollierten Studie den Einsatz langsamen Atmens (Slow‑Paced Breathing) als Regenerationsmaßnahme während eines vierwöchi-gen Sprint‑Intervall‑Trainings. Das Training führte zu einer deutlichen Leistungsverbesse-rung. Die zusätzliche Atemübung brachte jedoch trotz bekannter akuter vagaler Effekte keine weiteren Vorteile für die Leistungsentwicklung oder kardial‑autonome Regulation. Zusammenfassend zeigen die vorliegenden Studien, dass TSST und MAST nicht als aus-tauschbare Stressmodelle betrachtet werden können, dass kardiorespiratorische Fitness vor allem kardial‑autonome Stressreaktionen beeinflusst, jedoch nur bedingt auf endokrine oder subjektive Parameter wirkt und dass Zeitpunkt und Kontext einer Intervention den po-tenziellen Nutzen von langsamem Atmen begrenzen können. Die Ergebnisse unterstrei-chen darüber hinaus die Bedeutung geschlechtssensitiver Studiendesigns und differenzier-ter theoretischer Modelle als Grundlage zukünftiger experimenteller Stressforschung.
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Peter Raidl
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Peter Raidl (Thu,) studied this question.
www.synapsesocial.com/papers/69d893406c1944d70ce0440e — DOI: https://doi.org/10.25365/thesis.80896