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Mit schmerzlicher Klage aber nehme ich von Ihnen, liebster und verehrtester Freund, Abschied. Seltsam, wie wir uns nahegerückt sind, ohne uns je von Angesicht zu Angesicht in dieser Zeit unserer aufblühenden Verbundenheit zu begegnen! Was Sie uns im abgelaufenen Jahr geworden und geblieben sind, habe ich Ihnen oft zu sagen versucht.Dies schrieb der Kunstkritiker und Journalist Max Osborn am 6. September 1941 an den in der Schweiz lebenden Philologen Jonas Fränkel, kurz vor der Überfahrt mit seiner Frau Martha Osborn von Lissabon nach New York. Er deutete dabei die Tatsache an, dass sich die beiden in ihrem Leben nur einmal persönlich begegnet waren, nämlich 1905 in Berlin, wo Osborn Redakteur der Berliner National-Zeitung und Fränkel an seiner Edition der Briefe Goethes an Bettina von Arnim gearbeitet hatte. Während Osborn bis zum Ersten Weltkrieg in Berlin blieb, kehrte Fränkel 1908 nach Bern zurück, wohin er bereits 1899 aus Polen über Wien eingewandert war und wo er sich 1909 habilitierte. Ab 1920 wohnte er mit seiner Familie in Hünibach am Thunersee. Wenngleich Fränkel während des Zweiten Weltkrieges als eingebürgerter Schweizer nicht der direkten Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt war, erlebte er jahrelang andauernde Diffamierungen, die zu einem großen Teil antisemitisch geprägt waren. Vor allem in den 1930er-Jahren wurde er als Herausgeber der Werke Gottfried Kellers und ehemaliger enger Mitarbeiter Carl Spittelers immer wieder von der Presse, Schweizer Germanistikprofessoren wie auch Politikern mit der Frage konfrontiert, ob ,,ein Jude Schweizer Kultur vertreten und vermitteln“ könne. Streitigkeiten rund um Fränkels Editionen führten dazu, dass er sowohl in Deutschland als auch der Schweiz zunehmend Schwierigkeiten hatte, seine Schriften zu veröffentlichen. Beispielsweise weigerte sich der Leipziger Teubner-Verlag 1935, Fränkels Keller-Ausgabe in seinen Prospekt aufzunehmen, da der Herausgeber ,,Nicht-Arier“ sei. So verwundert es nicht, dass in Fränkels Nachlass Manuskripte liegen, die er aufgrund seiner Marginalisierung nie veröffentlichen konnte. Neben einer großen Bibliothek hinterließ er zahlreiche Sammlungen von Manuskripten, wie auch über 27.000 Briefe, von denen rund 60 von Max Osborn stammten.
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Fabienne Suter
Jahrbuch für Internationale Germanistik
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Fabienne Suter (Wed,) studied this question.
www.synapsesocial.com/papers/69d8970c6c1944d70ce08489 — DOI: https://doi.org/10.3726/jig573_183
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