Abstract Dieser Beitrag weist nach, dass ein Gedicht des 10. Jahrhunderts, das die Heilsgeschichte des Menschen mit der Geschichte eines Schwans vergleicht, auf einer vorgeschichtlichen irischen Sage beruht. Ein irischer Fili , der Christ geworden war und sowohl die heidnische Mythologie kannte als auch die lateinische Sprache beherrschte, wollte vermutlich mit seinem Gedicht ein lateinkundiges Publikum davon überzeugen, dass man eine alte irische Sage wie die von König Lir s Kindern nicht nur in der Form moderner lateinischer Dichtung erzählen, sondern an diesem Beispiel auch beweisen konnte, dass eine heidnische Sage ein verhüllendes Transportmittel ( involucrum ) für die Große Erzählung von der christlichen Heilsgeschichte sein konnte. Damit wäre gleichzeitig die immer noch lebendige mündliche Überlieferung heidnischer Mythen durch christliche Filidh moralisch legitimiert. Die allegorische Interpretation des Inhaltes des Gedichtes zusammen mit seiner äußeren Form und seiner Musikgebundenheit haben es offensichtlich als liturgische Sequenz erscheinen lassen, so dass es jahrhundertelang in Sequenzensammlungen zum Messbuch überliefert wurde.
Udo Kindermann (2025) studied this question.