Steppentrockenrasen zählen zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen Europas und beherbergen hochspezialisierte Schmetterlingsgemeinschaften, die sensibel auf Landnutzungsänderungen, Nährstoffeinträge und klimatische Veränderungen reagieren. Auf Grundlage eines Langzeitdatensatzes analysiert diese Arbeit Veränderungen der Tagfalter- und Widderchen-Gemeinschaften im pannonischen Sandsteppen-Naturschutzgebiet „Sandberge Oberweiden“ (Niederösterreich) über einen Zeitraum von mehr als 140 Jahren. Historische Nachweise ab 1883 wurden aus Datenbanken und Literaturquellen zusammengestellt und durch standardisierte Freilanderhebungen im Jahr 2024 ergänzt. Die Analyse erfolgte anhand von Präsenz-Absenz-Daten und umfasste Artenzusammensetzung sowie funktionelle Merkmalsstruktur auf Gemeinschaftsebene über vier Zeitperioden. Zur Anwendung kamen Community Weighted Means (CWMs), nicht-metrische multidimensionale Skalierung (NMDS) sowie permutationsbasierte Tests. Veränderungen wurden im Kontext von Landbedeckungsveränderungen interpretiert, welche anhand von historischen Karten und Orthofotos analysiert wurden. Insgesamt wurden 90 Arten mit belastbarer zeitlicher Zuordnung berücksichtigt. Die Artenzusammensetzung zeigte einen ausgeprägten Turnover (mittlere Sørensen-Dissimilarität = 0,49), gekennzeichnet durch den Rückgang xerothermophiler Arten und dispersionslimitierter Arten sowie die Zunahme mobiler und habitatgeneralistischer Arten. Die merkmalsbasierte Analyse zeigt eine Verschiebung von der Nutzung offener Bodenstellen und niedrigwüchsiger Krautschichten hin zu gras- sowie strauch- und baumassoziierten Traits, wobei der funktionelle Turnover geringer ausfiel als der Arten-Turnover. Auf Gemeinschaftsebene nahm der Anteil multivoltiner Arten im Zeitverlauf zu. Ebenso konnte eine Verlängerung des Aktivitätsfensters festgestellt werden. Landnutzungsvariablen erklärten nur einen geringen Anteil der funktionellen Veränderungen. Die Erhebungen im Jahr 2024 zeigten deutliche Unterschiede zwischen den Habitattypen: Beweidete und strukturell heterogene Flächen wiesen eine höhere Artenzahl und funktionelle Diversität auf als gemähte Flächen. Insgesamt weisen die Ergebnisse auf einen langfristigen Verlust spezialisierter Arten trockener Grassteppen sowie auf eine zunehmende funktionelle Homogenisierung der Schmetterlingsgemeinschaften hin.
Jakob Brejcha (2026) studied this question.