Die mechanische Dünndarmobstruktion (Dünndarmileus, small bowel obstruction, SBO) gehört zu den häufigsten chirurgischen Notfällen und ist mit einer relevanten Morbidität und Mortalität assoziiert. Während konservative Therapiestrategien in den letzten Jahren zunehmend etabliert wurden, bleibt die frühzeitige Identifikation von Patienten, die eine operative Therapie benötigen, entscheidend, um Behandlungsverzögerungen zu vermeiden und die klinischen Ergebnisse zu verbessern. 1.1. Ziel der Studie Ziel dieser retrospektiven Studie war es, zentrale Prädiktoren für die Notwendigkeit einer operativen Therapie bei Patienten mit mechanischem Dünndarmileus zu identifizieren und darauf basierend ein praxisnahes klinisches Risikoscore-Modell zu entwickeln, das die Unterscheidung zwischen operativ behandlungsbedürftigen Patienten und solchen, die für eine konservative Therapie geeignet sind, erleichtert. 1.2. Methoden In die retrospektive Analyse wurden Patienten eingeschlossen, die zwischen 2018 und 2022 am Universitätsklinikum Erlangen aufgrund eines mechanischen Dünndarmileus stationär behandelt wurden. Von 771 initial gesichteten Fällen wurden nach Anwendung der Ein- und Ausschlusskriterien 285 Patienten in die finale Analyse aufgenommen. Die Datenerhebung umfasste demografische Merkmale, klinische Präsentation, Klinik, Laborwerte, bildgebende Diagnostik, Therapieform (operativ vs. konservativ), Komplikationen und chirurgische Parameter. Zur Identifikation signifikanter Prädiktoren für eine operative Therapie wurden uni- und multivariate logistische Regressionsanalysen durchgeführt. Basierend auf dem finalen multivariaten Modell wurde ein gewichteter, punktbasierter Risikoscore entwickelt. Die diskriminative Leistungsfähigkeit des Scores wurde mittels ROC-Analyse bewertet. 1.3. Ergebnisse Von den 285 Patienten wurden 234 (82,1%) operativ behandelt, während 51 Patienten (17,9%) erfolgreich konservativ therapiert wurden. In der multivariaten Analyse konnten fünf unabhängige Prädiktoren für die Notwendigkeit einer Operation identifiziert werden: 0–1 vorherige abdominale Operationen (OR 4,7; p = 0,009), Serumalbumin ≤ 34 g/L (OR 4,5; p = 0,011), freie intraperitoneale Flüssigkeit in der Bildgebung (OR 3,6; p = 0,015), Flüssigkeitsspiegel in der konventionellen Röntgendiagnostik (OR 3,5; p = 0,024) sowie ein Kalibersprung (transition point) im CT (OR 11,4; p = 0,002). Aus diesen Parametern wurde ein gewichteter Score (0–6 Punkte) konstruiert, wobei die ersten vier Prädiktoren jeweils mit 1 Punkt und der CT-Kalibersprung mit 2 Punkten bewertet wurde. Der Score zeigte eine gute diskriminative Aussagekraft zur Vorhersage einer Operationsnotwendigkeit (AUC 0,874). Bei einem Cut-off von ≥3 Punkten ergaben sich eine Sensitivität von 96,2% und eine Spezifität von 64,7%. Der Anteil operativ behandelter Patienten stieg dabei von 21,4% (0–2 Punkte) über 88,6% (3–4 Punkte) auf 97,3% (5–6 Punkte). 1.4. Schlussfolgerung Die identifizierten unabhängigen Prädiktoren und der daraus abgeleitete gewichtete Risikoscore können die klinische Entscheidungsfindung bei Patienten mit mechanischem Dünndarmileus unterstützen, indem sie eine strukturierte Risikostratifizierung ermöglichen und Patienten mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine operative Therapie frühzeitig identifizieren. Vor einer routinemäßigen klinischen Implementierung ist jedoch eine prospektive multizentrische Validierung erforderlich.
Timur Buniatov (2026) studied this question.