Kalkige Nannofossilien, winzige Reste planktonischer haptophytischer Algen, stellen ein zentrales Werkzeug zur Rekonstruktion paläoökologischer Veränderungen und zur Verbesserung der stratigraphischen Auflösung im Zeitraum der Oberkreide dar. Diese Arbeit untersucht ihre taxonomischen, morphometrischen und paläoökologischen Signale anhand eines integrierten Vergleichs zwischen dem Western Interior Seaway und der Tethys. Die Studie basiert auf Material aus dem Smoky-Hill-Member der Niobrara-Formation (Kansas, USA), den Profilen Loibichl und Postalm in Österreich sowie dem Oued-Kharroub-Profil in Tunesien. Eine detaillierte morphometrische Analyse der Aspidolithus parcus–Aspidolithus enormis-Gruppe (Gattung Broinsonia anderer Autoren) zeigt, dass die Gesamtlänge des Coccolithen das zuverlässigste morphometrische Merkmal zur Unterscheidung von A. enormis ( 8,5 µm) darstellt. Andere Parameter, insbesondere das Verhältnis zwischen der Breite des Zentralbereichs und der Breite des äußeren Rands (b/a), erlauben keine klare Abgrenzung der traditionell beschriebenen Formen (A. parcus parcus, A. parcus constrictus und A. parcus expansus) als eigenständige Unterarten. Dennoch zeigen sich systematische Variationen des b/a-Verhältnisses zwischen den untersuchten Profilen, die mit Änderungen der Oberflächenwassertemperatur korrelieren, was darauf hinweist, dass ein Teil der beobachteten morphometrischen Variabilität umweltbedingt ist. Trotz dieser Variabilität bleiben die stratigraphischen Verbreitungsbereiche der Morphotypen in den Profilen von Niobrara, Loibichl und Postalm weitgehend konsistent, sodass sie weiterhin einen biostratigraphischen Aussagewert im Bereich des Late Santonian Events der Kohlenstoffisotopen und im Santonium-Campanium Grenzbereich besitzen. Der vergleichende Ansatz zwischen dem Western Interior Seaway und dem Tethys-Raum zeigt insgesamt übereinstimmende evolutionäre Muster innerhalb der Aspidolithus-Linie. Abweichungen im Profil von Bottaccione (Italien, GSSP) deuten jedoch darauf hin, dass lokale sedimentologische, taphonomische oder paläoökologische Faktoren die Ausprägung dieser Trends beeinflussen können. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung hochauflösender und statistisch fundierter morphometrischer Datensätze für die Trennung evolutionärer Signale von umweltgesteuerten morphologischen Änderungen. Die Untersuchung des Oued-Kharroub-Profils liefert neue Erkenntnisse über die Reaktion kalkiger Nannofossil-Assoziationen auf das Ozeanische Anoxia-Ereignis an der Grenze vom Cenomanium zum Turonium (OAE2). Veränderungen der Diversität, Verschiebungen in produktivitätsabhängigen Taxa sowie eine statistisch signifikante Größenabnahme von Watznaueria barnesiae fallen mit Intervallen erhöhter Ablagerung organischer Substanz zusammen. In Kombination mit Kohlenstoffisotopendaten lässt sich dadurch die interne Struktur der Kohlenstoffisotopen-Exkursion während des OAE2 klar rekonstruieren. Insgesamt präzisiert diese Arbeit die taxonomische und morphometrische Einordnung zentraler Nannofossil-Gruppen, stärkt ihre biostratigraphische Anwendbarkeit in unterschiedlichen marinen Becken und dokumentiert umweltgesteuerte morphologische Veränderungen während bedeutender paläo-ozeanographischer Umbruchsphasen der Oberkreide
Paula Granero Ordóñez (Thu,) studied this question.