Ressourcenknappheit, Fachkräftemangel und Anforderungen des Umwelt- und Klimaschutzes machen es zwingend erforderlich, etablierte Prozesse und Arbeitsweisen des Bauwesens auf den Prüfstand zu stellen. Diese Herausforderung bietet die Chance für einen starken Innovationsschub. In diesem Zusammenhang müssen wir uns fragen, welche grundlegenden Ziele unser Handeln verfolgt, wie wir die gebaute Umwelt zukünftig (um)gestalten wollen und was wir kommenden Generationen hinterlassen wollen. Wir müssen entscheiden, wie wir mit Materialien und Ressourcen umgehen wollen. Wenn wir gute Antworten auf diese Fragen finden, haben wir den Grundstein für einen Paradigmenwechsel gelegt. Unser gemeinsames Hauptziel muss sein, besser mit weniger zu bauen. Das heißt zum einen: weniger primäre Ressourcen verbrauchen, weniger CO2-Emissionen erzeugen, weniger Abfall hinterlassen. Zum anderen heißt es: mehr digitale Techniken und interdisziplinäre Kompetenzen in unsere Arbeit integrieren. Es bedeutet, fragmentierte Prozesse neu zu gestalten. Nur wenn die Durchgängigkeit der digitalen Prozesse zwischen Planung, Bau, Betrieb und Rückbau sichergestellt ist, können wir optimalen Schutz von Ressourcen und Umwelt gewährleisten. Die in diesen Prozessen gewonnenen Informationen ermöglichen fundierte Entscheidungen – wenn sie entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfasst und zugänglich gemacht werden. Wir müssen viel stärker als bisher gewerkeübergreifend und kreislaufbezogen denken. Dies hilft, Abfall zu minimieren, und schont primäre Ressourcen. Es ändert auch die Art und Weise, wie wir entwerfen und konstruieren. Mit Rezyklaten zu bauen erfordert zum Beispiel eine sehr viel intensivere Auseinandersetzung mit der Frage, welche Materialien zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Verfügung stehen. In Kreisläufen zu denken verändert die Regeln des Konstruierens, da alle Verbindungen lösbar gestaltet werden müssen. Und es führt zu einem anderen Blick auf Herkunft und Wiederverwendbarkeit der eingesetzten Materialien. Nachwachsende sowie leicht in den Kreislauf rückführbare Materialien rücken automatisch stärker in den Fokus. Aus meiner Sicht wird sich die Palette der verwendeten Materialien deutlich ausweiten; kein Material kann allein die Lösung für alle anstehenden Anforderungen erfüllen . Auch nachwachsende Materialien sind nur begrenzt verfügbar und haben ihre Nachteile. Pluralität ist die Lösung. Die Grundregel lautet: Materialgerecht konstruieren, um das Beste in jedem Material zur Geltung zu bringen. Dies gilt für traditionelle Werkstoffe ebenso wie für neue Materialien – und für Baustoffe, die neu verarbeitet und in veränderter Form wieder eingesetzt werden (bspw. Naturstein oder Lehm). Sie alle haben ihren Platz, solange sie dem Hauptziel „Besser mit weniger“ dienen. In diesem Zusammenhang sollte das Bauen im Bestand mehr Relevanz bekommen, denn was ist nachhaltiger als, gebaute Substanz zu erhalten und Bauwerke minimalinvasiv zu modernisieren, solange dies bei einer ganzheitlichen Bilanzierung Sinn macht. Warum sollten Nutzungszyklen auf 30 oder 50 Jahre begrenzt werden, wenn viele Baumaterialien langlebiger sind? Bei all diesen Aspekten und Lösungsansätzen spielen die Prinzipien des Leichtbaus eine wichtige Rolle. Sie wurden schon immer dann eingesetzt, wenn Ressourcen knapp wurden oder anstehende Aufgaben auf andere Weise nicht zu bewältigen waren. Hieran können wir anknüpfen. Während früher der Fokus auf einer Reduktion der verbauten Masse lag, müssen wir jetzt weiterdenken und einen holistischen Ansatz verfolgen. Zukunftsfähiger Leichtbau berücksichtigt den ökologischen Fußabdruck von Bauwerken. Das ist mein Kompass, um Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Lucio Blandini Quelle: Rene Müller, Stuttgart
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Vitali Reger
Bautechnik
Steinbeis Foundation
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Vitali Reger (Thu,) studied this question.
www.synapsesocial.com/papers/69a75d0fc6e9836116a267ed — DOI: https://doi.org/10.1002/bate.70068