Diese Dissertation untersucht das Verhältnis zwischen der Habsburgermonarchie und der galizischen Szlachta in den Jahrzehnten nach der ersten Teilung Polens und interpretiert es im Rahmen postkolonialer Theorie. Sie argumentiert, dass Galizien als kolonialer Raum verstanden werden kann, in dem die Habsburger nicht nur eine administrative Eingliederung, sondern auch eine kulturelle und politische Transformation eines historisch mächtigen Adelsstandes anstrebten. Die Arbeit zeigt, wie imperiale Strategien der „Zivilisierungsmission“, des „Othering“ und der „Subalternisierung“ darauf zielten, die Autonomie der Szlachta einzuschränken, während sie zugleich als unverzichtbare Mittler der Herrschaft gebraucht wurden. Zugleich hebt sie die Ambivalenz der habsburgischen Politik hervor, die zwischen Kooptation und Marginalisierung schwankte – ein Ausdruck sowohl der Notwendigkeit adliger Kooperation als auch der Furcht vor ihrem möglichen Widerstand. Der galizische Adel erscheint hier nicht als passive Untertan, sondern als aktive Akteur, der imperiale Strategien anpasste, herausforderte und umgestaltete. Auf Grundlage von Petitionen, Korrespondenzen, politischen Projekten und Verwaltungsakten zeigt die Dissertation, wie die Szlachta imperiale Rhetorik strategisch einsetzte, um Elemente ihres privilegierten Status zu bewahren, während sie zugleich mit „hybriden“ Regierungsformen experimentierte, die Loyalität zu Wien mit der Verteidigung lokaler Autonomie verbanden. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Verschiebungen in den kaiserlichen und adligen Diskursen – von der Epoche des aufgeklärten Absolutismus über die konservative Wende der 1790er Jahre, die Herausforderungen der napoleonischen Kriege und des Herzogtums Warschau bis hin zur Stabilisierung der Nachkriegsordnung von 1815. Durch die Verbindung von Diskursanalyse und postkolonialer Perspektive geht diese Studie über das binäre Schema von Herrschaft und Widerstand hinaus und zeigt stattdessen einen dynamischen Aushandlungsprozess. Sie leistet damit einen Beitrag sowohl zur Habsburgforschung als auch zur Kolonialgeschichte, indem sie eine differenzierte Analyse des Ineinandergreifens von imperialer Autorität und adliger Agency in Galizien bietet.
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Oleksandra Krushynska
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Oleksandra Krushynska (Wed,) studied this question.
www.synapsesocial.com/papers/69b25b1996eeacc4fcec9767 — DOI: https://doi.org/10.25365/thesis.80611