Die Untersuchung der langobardischen gens und ihrer Migration zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert CE stellt einen Schwerpunkt der Frühmittelalterfoschung dar, besonders im Hinblick auf die sozio-politische Umstrukturierung Europas, welche an die Völkerwanderungszeit anschloss. Die langobardische Landnahme Italiens im Jahr 568 CE nimmt dabei aufgrund ihres jahrhundertelangen Einflusses auf die italienische Geschichte eine zentrale Rolle ein. Diese Auswirkungen stehen in direktem Zusammenhang mit Gruppengröße und demografischer Struktur der einwandernden gens, diese Faktoren werden entsprechend bereits seit Jahrzehnten untersucht. Da relevante zeitgenössische Quellen nur spärlich vorhanden sind und häufig einen mythologisierten Unterton aufweisen, bleiben fundamentale paläodemografische Untersuchungen jedoch Großteils hypothetisch. Zum Schluss dieser Forschungslücke, nutzt die vorliegende Arbeit einen interdisziplinären Ansatz; traditionelle historische Forschung wird dafür mit paläodemografischen Methoden und agentenbasierter Modellierung (ABM) kombiniert. Auf Grundlage zeitgenössischer Schriftquellen und einer Stichprobe von 20 langobardenzeitlichen Gräberfeldern (insges. 3.252 Individuen) werden Größe und Migrationsdynamik der, in den Prozess der langobardischen Landnahme Italiens (ca. 500–700 n. Chr.) involvierten Bevölkerungsgruppe, mithilfe dieser Methoden abgeschätzt. Besonderer Fokus liegt dabei auf der jahrzehntealten Frage, ob die langobardische Gruppe als Einheit oder in kleineren, unabhängig organisierten Verbänden (farae) migrierte. Mithilfe paläodemografischer Formeln und der zusammengestellten Skelettserien, werden grobe Schätzwerte der Bevölkerungsgröße ermittelt. Wachstumsraten und andere demografisch relevante Daten werden ebenfalls aus der Stichprobe abgeleitet. Nach Berücksichtigung typischer archäologischer Bias, welche die berechneten Populationsgrößen signifikant beeinflussen, dienen diese Werte als Input für zwei unterschiedliche ABMs (MOD1 und MOD2). Während MOD1 die kollektive Migration der gesamten langobardischen Bevölkerung simuliert, untersucht MOD2 eine durch farae gesteuerte Migrationsdynamik. Die Ergebnisse der paläodemografischen Berechnungen deuten auf eine kleine langobardische Bevölkerung hin, korrespondierend zu historischen Quellen. Obwohl die Anwendung von Korrekturfaktoren diese Zahlen erhöht und sie an gängige Schätzungen angleicht, besteht hierbei eine hohe Zirkelschlussgefahr. Paläodemografische Korrekturfaktoren sollten nur angewandt werden, wenn die beeinflussenden Umstände gut bekannt sind und kleinräumige, lokale Populationsstudien vorliegen. Während die Ergebnisse beider ABMs niedrige Bevölkerungszahlen unterstützen, weist ein Migrationsprozess in kleineren Einheiten (farae) eine höhere demografische Resilienz auf und spiegelt den archäologischen Befund präziser wider. Die Modelle konnten außerdem die komplexen sozio-politischen Umstände der Zeit und deren Einfluss auf die langobardische Landnahme anhand der von den Agenten gewählten Migrationsrouten verdeutlichen.
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Caroline Bach
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Caroline Bach (Thu,) studied this question.
www.synapsesocial.com/papers/69fd7f65bfa21ec5bbf07e87 — DOI: https://doi.org/10.25365/thesis.81028